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Neurologie 17. Oktober 2016

Entspannt leben mit Migräne

Leitlinie. Entspannungsverfahren, Ausdauersport, und verschiedene Arten von Biofeedback sind neben der Anwendung kognitiver Verhaltenstherapie in der Behandlung der Migräne effektiv. Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) veröffentlichte dazu kürzlich eine Leitlinie.

SpringerMedizin. Sind Migränepatienten Experten ihrer eigenen Erkrankung, können sie mit dieser viel souveräner umgehen, als wenn sie sich unaufgeklärt ihrem Schicksal ergeben. Unerlässlich für die Aufklärung und Information sind allerdings nicht nur wissenschaftlich fundierte Empfehlungen zu medikamentösen Therapien, sondern auch zu gut wirksamen Alternativen.

Mit der Leitlinie „Entspannungsverfahren und verhaltenstherapeutische Interventionen zur Behandlung der Migräne“ gibt die DMKG einen Überblick über den aktuellen Wissensstand und wissenschaftlich abgesicherte Erkenntnisse. Die Leitlinienempfehlungen beziehen sich ausschließlich auf Migräne mit und ohne Aura.

In Kürze

Um Migränikern zu helfen, hat sich ein multidisziplinärer Therapieansatz, der verhaltenstherapeutische und pharmakologische Konzepte kombiniert, als sehr gut wirksam erwiesen.

Aufklärung. Bereits eine ausführliche Beratung des Patienten kann laut Leitlinie langfristig für eine deutliche Verringerung der Anfallshäufigkeit sorgen. Dieser Effekt ließ sich auch bei Kindern beobachten. In den dieser Leitlinie zugrundeliegenden Studien nahmen sich die Therapeuten mindestens 30 Minuten bis hin zu mehreren Stunden Zeit, die Patienten über ihr Krankheitsbild zu informieren. Dazu nutzten sie Bücher, ließen die Betroffenen Tagebücher führen, damit diese die Auslöser besser erkennen können, und führten darüberhinaus körperliche Übungen gegen Migräne und zur Verbesserung des Schlafverhaltens durch.

Einen neuen, vielversprechenden Ansatz bieten internetbasierte Beratungskonzepte. Sie könnten nach Ansicht der Experten ein effizienter Baustein im schmerztherapeutischen Gesamtkonzept sein.

Entspannungsverfahren. Entspannungstechniken wie Progressive Muskelrelaxation (PRM), Autogenes Training und Meditation sind nachhaltig wirksam. Dabei ist die PRM anderen Techniken überlegen, weil sie deutlich schneller zu erlernen und in den Alltag zu integrieren ist. Hier stellt sich ein guter Effekt laut Leitlinie ein, wenn regelmäßig mindesten 15 bis 20 Minuten pro Tag geübt wird und den Patienten der Transfer der Übungen beispielsweise am Arbeitsplatz gelingt. Die Experten empfehlen, die Entspannungsübungen zunächst unter Anleitung durch einen Therapeuten einzustudieren und dann einmal täglich durchzuführen.

Ausdauertraining. Vor allem neuere Studien zeigen, dass regelmäßiger Ausdauersport (z. B. dreimal pro Woche 40 Minuten) Migränebeschwerden bessern und prophylaktisch wirken kann. Eine begleitende Anwendung kann daher der Leitlinie zufolge empfohlen werden.

Verhaltenstherapie. Sehr gute Evidenz liegt für die kognitive Verhaltenstherapie vor. Dieser Ansatz bietet einen direkten, symptombezogenen Zugang zum Patienten und hilft ihm, flexibel und effektiver mit seinen Schmerzen umzugehen. Der mittlere Zeitaufwand, um alternative Verhaltensweisen einzuüben, liegt bei zehn bis 25 Stunden. Laut Leitlinie besonders geeignet ist die kognitive Verhaltenstherapie für Migräniker, die überzogen leistungsorientiert sind und unter häufigen Attacken leiden, deren Auslöser Stress ist.

Biofeedback. Mit Hilfe von Biofeedbackverfahren soll der Patient lernen, bestimmte physiologische Funktionen zu kontrollieren und so gezielt gegen Schmerzen vorgehen zu können. Gesichert wirksam, um Anfällen vorzubeugen, sind verschiedene Verfahren (thermales, hautleitfähigkeits- und elektromyographisches Biofeedback). Das Erlernen geht nur unter Anleitung, benötigt werden etwa acht bis zwölf Stunden. Die Experten empfehlen, Biofeedback im Rahmen einer Verhaltenstherapie durchzuführen.

Zum Neurofeedback gibt es bisher nur wenige kontrollierte Studien. Die vorhandenen weisen jedoch auf eine bessere Wirksamkeit als Placebo hin.

Die Leitlinien sind abrufbar: www.dmkg.de unter dem Stichwort Empfehlungen

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