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Pharmazeutin Prof. Dr. Karen Nieber, emeritierte Professorin der Universität Leipzig
 
Neurologie 30. September 2016

Das Gute in der Bohne

Dürfen Schwangere oder Jugendliche Kaffee trinken? Erhöht der braune Muntermacher tatsächlich den Blutdruck? Welche Auswirkungen hat Kaffee auf unser Gehirn? –Antworten auf diese Fragen am zum Tag des Kaffees am 1. Oktober.

Die Pharmazeutin Prof. Dr. Karen Nieber, emeritierte Professorin der Universität Leipzig, befasst sich seit vielen Jahren mit Kaffee. Erst kürzlich hat sie in der deutschen Pharmazeutischen Zeitung zum Thema publiziert und dafür mehrere wissenschaftliche Studien zur Wirkung des Kaffees ausgewertet. Immer wieder kehrt der Streit, ob Kaffeegenuss bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen schädlich ist. Nieber: „Kaffee erhöht den Blutdruck kurzzeitig. Das ist gut, wenn wir morgens in Gang kommen wollen. Aber die Wirkung geht schnell wieder zurück - vor allem bei Menschen, die Kaffee gewöhnt sind. Es gibt umfangreiche Studien, die besagen, dass regelmäßiger Kaffeegenuss bei gesunden Menschen dauerhaft keinen Einfluss auf Blutdruck und Infarktrisiko hat. Vorsichtig sollten nur ältere Menschen sein, die bereits an Bluthochdruck leiden. Sie sollten nicht mehr als eine Tasse täglich trinken.“

Wie ist das bei Schwangeren? „Alkohol ist in der Schwangerschaft strikt verboten. Das gilt für Kaffee nicht. Die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat eindeutig erklärt, dass Schwangere Kaffee in Maßen trinken können, jedoch nicht mehr als 200 Milligramm Coffein pro Tag. Das sind etwa drei Tassen. Übrigens dürfen auch Schulkinder und Jugendliche zwischen 10 und 18 Jahren ganz ohne Bedenken Kaffee trinken: Man sagt täglich etwa drei Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht Coffein, dazu zählt allerdings auch der Coffeingehalt in Softdrinks.“

Anders herum gefragt schaut es nicht besser aus, auch die Frage, auf wen sich Kaffeegenuss gesundheitsfördernd auswirkt, wird kontrovers diskutiert. „Diabetiker, Asthmatiker, Patienten mit Lebererkrankung und auch Sportler pofitieren vom Kaffee. Viele Ausdauersportler trinken vor dem Wettkampf ein bis drei Tassen, weil Kaffee den Kreislauf anregt, die Durchblutung der Muskulatur fördert und dadurch bei Muskelschmerzen hilft. Da braucht man oft kein Schmerzmittel mehr. Ob Kaffee auch den langfristigen Trainingseffekt steigert, ist bislang nicht geklärt“ Und auch das ist ein Klassiker der Kaffee-Literatur: Wie viele Tassen täglich sind für einen gesunden Menschen empfehlenswert, Frau Nieber. „Zwei bis drei Tassen pro Tag haben einen positiven Effekt. Das gilt aber auch für entkoffeinierten Kaffee. Nicht nur das Koffein hat Auswirkungen auf den Körper, auch andere Inhaltsstoffe wie beispielsweise Chlorogensäure. Kaffee ist ein Naturprodukt und keine Monosubstanz. Die verschiedenen Inhaltsstoffe bringen einen Synergieeffekt. Sie wirken an verschiedenen Stellen des Körpers. Man spricht auch von einem Multi-Target-Effekt. Die Mischung macht’s also.“ Und selbst? „Ich trinke drei bis vier Tassen am Tag– mit Milch. Da ist die Magenreizung geringer als bei schwarzem Kaffee.“

S. Huster ist an der Stabsstelle Universitätskommunikation, Universität Leipzig, tätig.

Susann Huster

, Ärzte Woche 40/2016

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