zur Navigation zum Inhalt
© mezegliz / fotolia.com
© MedUni Wien

Prof. Dr. Christian Wöber

 
Neurologie 23. August 2016

Tagebuch des Leidens

Auslöser von Migräneattacken können individuell erfasst werden.

Migräne ist die weltweit dritthäufigste Erkrankung und liegt unter mehr als 300 Erkrankungen an sechster Stelle, was die krankheitsbedingte Belastung betrifft. „Auslöser von Migräneattacken zu erkennen ist ein wichtiger, zugleich aber schwieriger Schritt in der Migränebehandlung“, erklärt Prof. Dr. Christian Wöber, Kopfschmerz-Spezialist an der Universitätsklinik für Neurologie der MedUni Wien. Alleiniges Befragen der Betroffenen bringe kein verlässliches Ergebnis, vielmehr bedürfe es detaillierter Aufzeichnungen in einem Tagebuch und einer statistischen Analyse.

Die Arbeitsgruppe Kopfschmerz der MedUni Wien hat das Interesse des US-amerikanischen Start-ups „Curelator“ bei der Entwicklung einer App für das Erfassen von Migräneauslösern geweckt. Aus der Kooperation zwischen MedUni Wien und dem Unternehmen ist nun eine erste, kürzlich im Journal Cephalalgia publizierte Studie hervorgegangen. Darin werden Daten der MedUni Wien verwendet, um eine völlig neue Herangehensweise an die Analyse von Migräneauslösern zu untersuchen ( 1.usa.gov/28J6XxT ).

Erstmals wurden die Auslöser für eine Migräneattacke, nicht für ein Kollektiv, sondern individuell für jeden einzelnen Patienten ermittelt. Wöber dazu: „Einzelfall-Analysen erlauben personalisierte, also auf individuelle Gegebenheiten Bedacht nehmende Medizin.

Bei der Studie in Cephalalgia wurden daher Einzelfallanalysen mit der Analyse der Gesamtgruppe aller Studienteilnehmer verglichen. Das überraschende und zugleich praxisrelevantes Ergebnis: Von 326 Patienten, die 90 Tage lang ein detailliertes Tagebuch geführt hatten, ließen sich mittels Einzelfallanalysen bei 87 Prozent der Betroffenen mögliche Migräneauslöser nachweisen. Im Durchschnitt waren es vier mögliche Auslöser pro Studienteilnehmer. „Unerwartet war“, sagt der MedUni Wien-Experte, „dass das individuelle Profil möglicher Auslöser außerordentlich variabel und bei 85 Prozent der Patienten einzigartig war.

Jeder der 33 untersuchten Migräneauslöser stand zumindest bei einzelnen Patienten mit Migräneattacken in Zusammenhang.“ In der Gesamtanalyse aller 326 ProbandInnen war dies hingegen nur für acht Faktoren der Fall. Das bedeutet: Bei der überwiegenden Mehrzahl der Patienten fanden sich individuelle Auslöser, die in der Gesamtanalyse aller Patienten nicht identifiziert werden konnten. Wöber erklärt: „Die neue Analyse erlaubt somit erstmals für jede einzelne Patientin und jeden einzelnen Patienten Informationen über den Zusammenhang zwischen Migräneattacken und einem breiten Spektrum möglicher Migräneauslöser, und ist somit ein Schritt in Richtung personalisierte Migränebehandlung.“

MedUni Wien, Ärzte Woche 26/2016

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben