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Neurologie 26. April 2016

„Lande ich bald im Rollstuhl?“

Patienten mit Nervenschmerz bleiben oft unterversorgt.

Ergebnisse einer aktuellen Studie zeigen, dass jeder dritte Nervenschmerz-Patient keine ausreichende diagnostische Abklärung seiner Beschwerden erhalte. Das Spektrum an Behandlungsmöglichkeiten werde nur rund 70 Prozent der Betroffenen angeboten. Dabei könnte man Beschwerden und Ängste vielen Patienten ersparen.

Knapp eine Million Österreicher leiden an irgendeiner Form von Polyneuropathie. Betroffen sind vorwiegend Langzeit-Diabetiker und Menschen mit Nierenleiden. Auch Gifte und Alkohol oder ungewohnte, starke Medikamente (z. B. eine Chemotherapie) können die Nerven nachhaltig schädigen und unerträgliche Schmerzen verursachen.

Polyneuropathie hat viele Gesichter und kann daher unterschiedlichste Beschwerden auslösen: Gehen wie auf Watte, „Bamstigkeit“, Kribbeln und schwer beherrschbare Schmerzen in Händen oder Füßen bis hin zu schweren Lähmungserscheinungen, um nur einige bekannte Symptome zu nennen. „Betroffene leiden oft unter einer ebenso großen physischen und psychischen Belastung, denn zu den Beschwerden kommt immer wieder die Angst: „Lande ich bald im Rollstuhl?“

Das berichtet Dr. Udo Zifko, Vorstand der Neurologischen Abteilung am Evangelischen Krankenhaus-Wien auf dem 1. Fachtag für Neuropathie am 22. April in Wien.

Beschwerden und Ängste könnte man aber vielen Patienten ersparen. Das zeige eine Studie mit 100 Polyneuropathie-Patienten, die eine ärztliche Zweitmeinung einholten. Demnach hatte jeder dritte Nervenschmerz-Patient keine ausreichende diagnostische Abklärung seiner Beschwerden erhalten. Bei Validierung der Diagnosen zeigte sich, dass jeder fünfte Patient keine vollständige oder eine falsche Diagnose bekommen hatte. Das Spektrum an Behandlungsmöglichkeiten wurde nur rund 70 Prozent der Betroffenen angeboten. Gleichzeitig unterblieb die nötige Dosisanpassung der Nervenschmerz-Medikamente, wodurch zwei Drittel der Patienten schmerztherapeutisch unterdosiert und somit ihren Beschwerden ausgeliefert blieben.

Vier von fünf Nervenschmerz-Patienten erhielten zudem keine spezielle Physiotherapie oder Rehabilitation zur Verbesserung von Motorik und Gangbild. Zifko: „Umso bedauerlicher, bedenkt man, dass gerade bei Polyneuropathien eine große Auswahl individuell abstimmbarer Behandlungsmöglichkeiten sowie auch einige neue, hochwirksame Medikamente zur Verfügung stehen.“

BE Perfect Eagle GmbH, Ärzte Woche 17/2016

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