zur Navigation zum Inhalt
 
Neurologie 18. März 2016

Astrozyten beeinträchtigen das Gedächtnis / Depression durch Straßenlärm

Astrozyten sind verantwortlich, dass bei MS kognitive Fähigkeiten eingeschränkt sind.

Bei Multipler Sklerose (MS) treten Gedächtnisstörungen und andere  Einschränkungen der kognitiven Fähigkeiten auf. Forscher der Universitäten  Zürich und Lausanne konnten nun ein  wichtiges Bindeglied für diesen Mechanismus finden: die Astrozyten. Bei  MS kommt es zu einem fortlaufenden  Untergang von Nervenzellen, der zumindest bei der schubförmigen MS  durch Entzündungen hervorgerufen  wird. Zwar vermutet man schon lange, dass die Entzündungen im Gehirn  zu den Einschränkungen und Störungen führen, aber bislang ohne Beweis.  Nun haben Forscher um Prof. Andrea  Volterra, Universität Lausanne das fehlende Bindeglied identifiziert: die Astrozyten, einen Zelltyp des Nervensystems.  Viele Hirnerkrankungen haben ihren  Ursprung nicht in defekten Neuronen,  sondern in der mangelhaften Interaktion zwischen Neuronen und Glia-Zellen  (Astrozyten, Oligodendrozyten und Mikroglia). Während Glia-Zellen normalerweise versuchen würden, die Funktionen der Neuronen zu bewahren, zeigt  die neue Studie, dass Astrozyten während einer Entzündung die Funktion der  Neuronen beeinträchtigen. Die Astrozyten spüren das Zytokin TNF und senden ein Signal an die Neuronen. Im gesunden Hirn ist die TNF-Konzentration  niedrig und die Astrozyten unterstützen die Aktivität der Neuronen. Tritt im  Hirn aber eine Entzündung auf, nimmt  die Menge an TNF zu und die Astrozyten  reagieren mit einer Veränderung der  neuronalen Funktion. Geschieht dies  in Bereichen, die für das Gedächtnis zuständig sind, wird die Speicherung von  Informationen und somit die Erinnerungsfähigkeit beeinträchtigt. Diesen  schädlichen Mechanismus wurde in einem Mausmodell von MS nachgewiesen. In Zusammenarbeit mit der Psychiatrische Univ.-Klinik Zürich konnten die  Forscher zeigen, dass eine pathologisch  erhöhte TNF-Konzentration, wie sie bei  MS vorkommt, die Gedächtnisleistung  reduziert. „Wie bei MS-Patienten tritt  diese Beeinträchtigung auch im Modell  schon in asymptomatischen Phasen auf,  wenn noch keine typischen MS-ähnlichen Bewegungseinschränkungen  auftreten“, so die Forscher. Die Forscher  hoffen nun, dass es gelingt, die Entzündungsrezeptoren mit Medikamenten zu  blockieren, um den schädlichen Mechanismus zu unterbinden. Dadurch könnten die kognitiven Beeinträchtigungen  bei MS-Patienten und womöglich auch  bei anderen entzündlichen neurologischen Erkrankungen gemildert werden.

Literatur

Habbas S et al (2015) Neuroinflammatory  TNFα impairs memory via astrocyte signaling.  Cell. 17;163(7):1730–1741. doi: 10.1016/ j.cell.2015.11.023 

Quelle: Universität  Zürich

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben