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Neurologie 22. Oktober 2015

Eiscreme-Kopfschmerz: Wenn das Gehirn kurz „einfriert“

Eine Studie an der Universitätsmedizin Halle untersucht derzeit den „Eiscreme-Kopfschmerz“.

Ein schönes kaltes Getränk oder ein großes Eis sind besonders an heißen Sommertagen eine Wohltat. Doch bei einer größeren Menge der kalten Substanzen am Gaumen passiert es: Ein kurzer Schmerz im Kopf, das Gefühl, dass das Hirn für einen Augenblick wie „eingefroren“ ist. Dieses Phänomen wird deshalb auch genauso bezeichnet – der „Eiscreme-Kopfschmerz“, im Englischen unter dem Begriff „Brain Freeze“ bekannt. Am Universitätsklinikum Halle (Saale) wird in der Klinik und Poliklinik für Neurologie unter Leitung von Prof. Stephan Zierz genau diese Form von Kopfschmerz in mehreren Studien näher untersucht.

So wie beim Eiscreme-Kopfschmerz treten auch bei der Migräne mit Aura Veränderungen des Blutflusses im Gehirn auf. Möglicherweise lassen sich aus diesen Ergebnissen Erkenntnisse zur Entstehung von Kopfschmerzen oder gar für Therapieansätze beim akuten Schlaganfall gewinnen. Primär geht es um die Ursachenforschung beim Eiscreme-Kopfschmerz. In der aktuellen Untersuchung habe man bereits herausgefunden, dass beispielsweise vier Grad Celsius kaltes Wasser eher den Schmerz auslöse als ein einzelner Eiswürfel.

Mittels Doppler-Sonografie sind Durchblutungsveränderungen im Gehirn messbar. Für die Studie wurde zusammen mit der Forschungswerkstatt des Universitätsklinikums Halle eigens eine spezielle Kopfhalterung entwickelt, die auf den Kopf gesetzt werden kann und mit mehreren Ultraschallsonden bestückt ist. Aus den Ultraschalldaten kann der Blutfluss gemessen werden und Veränderungen ohne und mit Kältereiz werden sichtbar. Die Apparatur wurde zum Patent angemeldet.

Im Unterschied zu den Ergebnissen anderer Studien, in denen eine Verlangsamung des Blutflusses festgestellt wurde, hat in den halleschen Untersuchungen der Blutfluss aufgrund des Kältereizes zugenommen. Die Studie ist noch nicht abgeschlossen ‒ in ein bis zwei Monaten rechnet man mit Ergebnissen.

Ausgangspunkt war eine fragebogenbasierte „Jugend forscht“-Arbeit, in der unter anderem die Häufigkeit des Eiscreme-Kopfschmerzes bei Schülern, Eltern und Lehrern untersucht wurde. Dabei konnte erstmals eine familiäre, möglicherweise genetische Veranlagung für Eiscreme-Kopfschmerz nachgewiesen werden. Darüber hinaus scheinen Kinder den Eiscreme-Kopfschmerz besser zu kennen. Das könnte daran liegen, dass Erwachsene kalte Lebensmittel vorsichtiger konsumieren und die Einnahmegeschwindigkeit eine Rolle spielt

Quelle: idw

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