zur Navigation zum Inhalt
 
Allgemeinmedizin 5. August 2005

Apnoe: Keine vorschnellen Schlüsse ziehen

Viele Frauen mit einer obstruktiven Schlafapnoe (OSA) bleiben unerkannt, weil die Erkrankung mit – überholten – Stereotypien assoziiert wird. mit Übergewicht, männliches Geschlecht, Schnarchen und ein mittleres Alter. Oder auch nicht.

Typisch für Patienten mit einer OSA sind Kennzeichen wie Übergewicht, männliches Geschlecht, Schnarchen und ein mittleres Alter. Wer jedoch nur bei diesem Stereotyp aufmerksam wird, übersieht leicht andere Betroffene - vor allem Frauen mit OSA. Populationsstudien aus den vergangenen Jahren verdeutlichen die Häufigkeit der Schlafapnoe: So hat einer von fünf Erwachsenen eine milde Schlafapnoe, jeder 15. hat sogar eine mittlere bis stark ausgeprägte, wie US-amerikanische Forscher der University of Wisconsin berichten (JAMA 16, 2004, 2013). Nach ihren Angaben werden allerdings 75 bis 80 Prozent der Patienten, die von einer Therapie profitieren würden, in den USA nicht erkannt – darunter doppelt soviel Frauen wie Männer.
Dass eine OSA bei Frauen leicht übersehen wird, liegt unter anderem daran, dass bis zur Menopause offensichtlich die weiblichen Hormone protektiv wirken. So ist in einer US-Studie bei Frauen nach der Menopause das Risiko für eine moderate bis schwere OSA um das Dreifache erhöht gewesen – und zwar unabhängig von Gewicht und Alter. In der Praxis sollte zudem das Augenmerk verstärkt auf Diabetiker – und nicht nur übergewichtige – sowie Patienten mit therapieresistentem Bluthochdruck gerichtet werden, da Studien einen deutlichen Zusammenhang mit einer OSA und diesen Erkrankungen belegten. So hatten in einer Studie 60 Prozent der Schlaganfallpatienten – die meisten mit Hypertonie, dem wesentlichen Apoplexie-Risikofaktor – eine nicht diagnostizierte OSA. Wann immer Patienten – vor allem Diabetiker, Hypertoniker und Frauen nach der Menopause – über eine extreme Tagesmüdigkeit klagen, sollten sie – und wenn möglich auch die Bettpartner – gezielt nach nächtlichen Atemaussetzern und lautem, abgehacktem Schnarchen gefragt werden und bei Verdacht auf eine OSA zu einem ambulanten Apnoe-Screening überwiesen werden, wie es von spezialisierten Lungenfachärzten angeboten wird. Dabei werden etwa Atemströmung, Herzfrequenz, Sauerstoff im Blut und Körperlage im Schlaf erfasst.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben