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Neurologie 5. August 2005

Welcher Thrombozytenaggregations-Hemmer zeigt die beste Wirkung?

Bei den meisten Patienten ist nach einem ischämischen zerebrovaskulären Ereignis der Einsatz von Thrombozytenaggregations-Hemmern indiziert. Aspirin ist die am häufigsten eingesetzte Substanz, über die optimale Dosis (30 bis 1.500 mg/Tag) herrscht bis heute Uneinigkeit. Höhere Dosen sind jedoch mit stärkeren gastrointestinalen Nebenwirkungen verbunden. Um ein vaskuläres Ereignis zu verhindern, müssen zwischen 50 und 100 Patienten ein Jahr lang mit Aspirin behandelt werden.

Tiklopidin wurde in zwei multizentrischen Studien, der Canadian American Ticlopidine Study (CATS) und der Ticlopidine Aspirin Stroke Study (TASS), evaluiert. Beide Studien zeigten eine Reduktion von wesentlichen vaskulären Ereignissen um etwa 20 Prozent. Die Nützlichkeit dieses Medikaments wird jedoch durch das Vorkommen schwerer Neutropenien (in 2,4% der Patienten) beeinträchtigt. Die Wirksamkeit eines anderen Plättchenaggregationshemmers, Clopidogrel, wurde in der CAPRIE-Studie (Clopidogrel versus Aspirin in Patients at Risk of Ischemic Events) untersucht. Nach einem Myokardinfarkt oder Schlaganfall vermindert Clopidogrel - verglichen mit Aspirin - das Risiko für ein zweites Ereignis um weitere 8 Prozent. Um ein ischämisches Ereignis pro Jahr zu verhindern, müssen 40 bis 80 Patienten damit behandelt werden.

In insgesamt fünf Studien wurde die Wirksamkeit von Dipyramidol untersucht. In der European Stroke Prevention Study (EPS) hat sich bei einer Kombinationstherapie von Dipyramidol und Aspirin eine 37-prozentige Reduktion des Risikos für einen Re-Insult ergeben, verglichen mit 18 Prozent für Aspirin alleine. Die Zahl der zu behandelnden Patienten liegt für das Kombinationspräparat bei 36 bis 40 pro Jahr.

In Sachen Akutbehandlung des Schlaganfalls besteht selbst bei Neurologen noch große Unsicherheit bzw. Lernbedarf. Diese Tatsache demonstrierte Dr. Werner Hacke, Vorstand der Neurologischen Abt., Univ. Heidelberg, in einem Interaktiven Quiz mit 160 im Auditorium anwesenden Neurologen aus ganz Europa: 70% fehldiagnostizierten akute Infarktzeichen im frühen CCT, ebenso herrschte in einem simulierten Fall durchwegs beträchtliche Uneinigkeit bezüglich der notwendigen diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen. Selbst bei Vorliegen aller Idealbedingungen zur Durchführung einer akuten Lyse würden nur 80% zu dieser Therapieform greifen.

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