zur Navigation zum Inhalt
© britta60/fotolia.com
Das Risiko, depressiv zu werden, liegt bei 16 bis 26 Prozent
 
Neurologie 20. April 2015

Eine düstere Prognose

IMS-Health: Der Zusammenhang zwischen Multipler Sklerose, Alzheimer, Parkinson und Depression ist belegt.

Eine neurologische Erkrankung macht mit hoher Wahrscheinlichkeit depressiv. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung der US-Marktforscher von IMS Health. Am stärksten betroffen sind MS-Patienten.

Depression ist die dritthäufigste Krankheit. Experten sagen voraus, dass es 2020 die zweithäufigste sein wird. Die Wahrscheinlichkeit, im Laufe des Lebens eine Depression zu bekommen, liegt bei durchschnittlich 16 bis 26 Prozent. Bei Frauen ist die Wahrscheinlichkeit doppelt so hoch wie bei Männern. Innerhalb eines Jahres liegt die Ausbruchswahrscheinlichkeit in Europa bei 5,8 Prozent.

Die Literatur besagt, dass das Risiko einer Depression im Laufe der Zeit zunimmt, es also für später geborene Menschen höher ist als für früher geborene Personen im selben Alter. Diese Erkenntnis ist umstritten. Auch ist nicht klar, ob das Risiko einer Depression mit dem Alter zunimmt. Von vielen psychischen und somatischen Erkrankungen wie Angstzuständen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Demenz, Parkinson, Schlaganfall und Krankheitskombinationen wie Parkinson und Demenz, wird angenommen, dass sie mit Depressionen einhergehen. Dieses Risiko wurde bei 40.000 Patienten mit vier unterschiedlichen neurologischen Erkrankungen fünf Jahre lang untersucht.

An der Studie beteiligten sich 1.109 Allgemeinmediziner in 882 Arztpraxen, die während des Studienzeitraums von Januar 2000 bis April 2012 an IMS berichteten.

Zunächst wurden alle Patienten mit der Diagnose Alzheimer/Demenz, Epilepsie, Multiple Sklerose oder Parkinson von Jänner 2002 bis Dezember 2006 identifiziert. Insgesamt standen 13.652 Patienten mit Alzheimer oder Demenz, 15.722 mit Epilepsie, 5.137 mit Multipler Sklerose und 8.403 mit Parkinson zur Verfügung.

Die Patienten mussten folgende Bedingungen erfüllen:

• Der Patient besuchte vor zwei Jahren und mindestens fünf Jahre nach Diagnosestellung mindestens einmal pro Jahr denselben Arzt.

• Er litt früher nicht an einer dieser Krankheiten oder einer Depression.

• Er litt während des Beobachtungszeitraums nicht an Krebs.

Die in die Studie einbezogenen Patienten waren zum Zeitpunkt der Diagnosestellung (Index-Datum) bei Multipler Sklerose durchschnittlich 45 und bei Alzheimer/Demenz durchschnittlich 73 Jahre alt. Bei Multipler Sklerose und Alzheimer/Demenz waren 71 bzw. 67 Prozent der Patienten Frauen.

Bei allen Krankheiten stieg das Risiko, an einer Depression zu erkranken. Das Risiko lag zwischen 22 Prozent bei Epilepsie und 35 Prozent bei Multipler Sklerose. Die Wahrscheinlichkeit, an einer Depression zu erkranken, ist bei Alzheimer/Demenz, Multipler Sklerose und Parkinson höher als bei Epilepsie. Eine Depression konnte lediglich bei 8 Prozent der Patienten in der Datenbank festgestellt werden.

Frauen sind gefährdeter

Bei allen Krankheiten war das Risiko, an einer Depression zu erkranken bei Frauen höher als bei Männern. Bei Alzheimer/Demenz war das Risiko für eine Depression bei Patienten unter 60 Jahren höher. Bei allen Krankheiten brach die Depression bei etwa der Hälfte der Patienten im ersten Jahr aus. Auch wurde untersucht, wie viele Depressionspatienten Antidepressiva erhielten. Dieser Wert lag bei Epilepsie bei 56,6, bei Alzheimer/Demenz bei 63,9, bei Parkinson bei 66,8 und bei MS bei 67,0 Prozent.

IMS Health, Ärzte Woche 17/2015

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben