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Neurologie 12. April 2006

Behandlungserfolge bei M. Parkinson

Mehrere Jahrzehnte lang stellte Levodopa die Standardbehandlung für Morbus Parkinson dar. In der Langzeittherapie führt die Substanz jedoch sehr häufig zu Dyskinesien und anderen motorischen Komplikationen. Diese Nebenwirkungen gaben den Anstoß für die Suche nach neuen Behandlungsmöglichkeiten im Frühstadium des Morbus Parkinson.

Dopaminagonisten wie Pramipexol wurden in mehreren klinischen Studien mit Levodopa verglichen und erwiesen sich im Hinblick auf motorische Komplikationen als deutlich überlegen. "Beispielsweise zeigte die CALM-PD-Studie, dass bei Parkinson-Patienten im Frühstadium, die mit Pramipexol behandelt wurden, signifikant seltener dopaminerge motorische Komplikationen auftraten als unter Levodopa", betonte Prof. Dr. Werner Poewe, Vorstand der Innsbrucker Univ.-Klinik für Neurologie, auf dem 6. Kongress der European Federation of Neurological Societies. 72 Prozent der Patienten aus der Pramipexol-Gruppe waren nach zwei Jahren frei von Dyskinesien, On-off-Fluktuationen oder vom Wearing-off-Phänomen (Nachlassen der Medikamentenwirkung). Unter Levodopa war dies nur bei 49 Prozent der Patienten der Fall. 

"Darüber hinaus weisen Dopaminagonisten weitere Vorteile gegenüber L-Dopa wie etwa eine längere Halbwertszeit auf", so Poewe. Für die initiale Behandlung des M. Parkinson werden Dopaminagonisten daher heute im Allgemeinen als Mittel der Wahl angesehen. Dementsprechend wurde die Indikation von Pramipexol vor kurzem um die initiale Monotherapie erweitert. Mittlerweile liegen auch die Vier-Jahres-Ergebnisse der CALM-PD-Studie vor, welche die Daten des 2-Jahres-Follow-ups bestätigen. "Unter Pramipexol waren dopaminerge motorische Komplikationen signifikant seltener als unter Levodopa; speziell bei Dyskinesien war der Unterschied stark ausgeprägt", berichtete Prof. Dr. Karl D. Kieburtz, University of Rochester. Hingegen trat Freezing in der Pramipexol-Gruppe häufiger auf.

Bei den UPDRS (Unified Parkinson? Disease Rating Scale)-Werten, die ein Maß für den Behandlungserfolg darstellen, schnitt L-Dopa besser ab. "Ob dieser Unterschied klinische Relevanz besitzt, ist allerdings unklar", so Kieburtz. Hinsichtlich der Effekte auf die Lebensqualität waren die beiden Medikamente jedenfalls vergleichbar. Weiters ergab die Untersuchung, dass Somnolenz und Ödeme - bekannte Nebenwirkungen von Pramipexol - fast ausschließlich bei Patienten, die mit dem Dopaminagonisten behandelt wurden, auftraten.

In einer CALM-PD-Substudie wurde mittels eines speziellen bildgebenden Verfahrens (Beta-CIT-SPECT) die Funktionstüchtigkeit des dopaminergen Systems geprüft. Bei Patienten, die initial Pramipexol  erhielten, war das Ausmaß der neuronalen Degeneration sowohl nach zwei als auch nach vier Jahren deutlich geringer als bei Personen, die mit L-Dopa behandelt wurden. Auf welche Weise Pramipexol seine neuroprotektive Wirkung entfaltet, sei derzeit nicht völlig geklärt, so Poewe. 

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