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Neurologie 13. Jänner 2015

Dystonie. Hoffnung für Musiker

Eine neue Behandlungsmethode löst den gefürchteten Musikerkrampf. 

Apollos Fluch, die Musikerdystonie, ist eine Erkrankung, die zum Verlust der feinmotorischen Kontrolle beim Musizieren führt und häufig die Berufsunfähigkeit bedingt. Das Leiden erzeugt unwillkürliche Verkrampfungen der Hand und betrifft etwa ein bis zwei Prozent der Berufsmusikerinnen und -musiker. Oft sind gerade besonders erfolgreiche Musikerinnen und Musiker davon betroffen. Beispiele sind die Pianisten Leon Fleisher, Gary Graffman und Michel Beroff. Dr. Shinichi Furuya und Prof. Dr. Eckart Altenmüller an der Hochschule für Musik, Theater und Medien haben gemeinsam mit den Neurophysiologen Prof. Dr. Walter Paulus und Prof. Dr. Michael Nitsche von der Universität Göttingen eine neue, vielversprechende Behandlungsmethode für Dystonie entwickelt. Die Ergebnisse der Studie wurden im international renommierten Journal „Annals of Neurology“ publiziert [1]. Die Ursache der Erkrankung liegt in einer Störung der motorischen Steuerprogramme in der Großhirnrinde. Bisherige Behandlungen umfassten regelmäßige Injektionen in die krampfenden Muskeln mit Botulinum-Toxin oder ein sehr zeitaufwändiges Trainingsprogramm, das sich nicht selten über Jahre hinzog.

Die neue Methode aus Hannover und Göttingen hemmt mit leichten Strömen die für die kranke Hand zuständige motorische Hirnrinde, um die Signale des Krampfes zu dämpfen. Auf der anderen Hirnhälfte werden die motorischen Steuerzentren für die gesunde Hand aktiviert. Dadurch wird das gesunde Steuersignal über den Balken auf die erkrankte Seite übertragen. Während der Hirnstimulation führen die betroffenen Pianisten nun spiegelbildliche Fingerübungen mit beiden Händen am Klavier für etwa 20 min durch. Dadurch kommt es zur Kopie des gesunden Bewegungsmusters auf die kranke Hirnhälfte. Die Ergebnisse der Methode sind überzeugend: Schon nach der ersten Stimulation verbesserte sich Fingerkontrolle dramatisch und der Heileffekt blieb über vier Tage bestehen. Altenmüller: „Es handelt sich also um eine aussichtsreiche Behandlung der Musikerdystonie bei Pianisten.“ Das Team wird diese Behandlungsmetode nun auf andere Instrumentalisten mit Hand-Dystonien übertragen und Langzeitstudien mit wiederholten Stimulationen anbieten. 

Quelle: Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover

1 Furuya S et al.: Ann Neurol. 2014 May;75(5):700–7

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