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Neurologie 4. Juli 2005

Neurologe hat zentrale Rolle in der Schmerztherapie

Die Kommunikation zwischen Schmerzpatienten und Neurologen zu verbessern, ist ein besonderes Anliegen der Österreichischen Neurologen-Gesellschaft.

„Die zentrale Versorgung in der Schmerztherapie sollte durch einen schmerztherapeutisch kompetenten Neurologen erfolgen, da er ein wichtiges Bindeglied zwischen dem Hausarzt und schmerztherapeutischen Spezialeinrichtungen darstellt“, erklärten die Schmerzexperten OA Dr. Christian Lampl, Abt. Neurologie und Psychiatrie am AKH Linz, und Prof. Dr. Stefan Quasthoff, Univ.-Klinik für Neurologie in Graz, im Rahmen einer Pressekonferenz am 20. April anlässlich der 3. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie (ÖGN).

Verbesserte Schmerzforschung

Zehn Prozent der Österreicher leiden bzw. haben bereits unter schweren dauerhaften Schmerzen gelitten. Vier Prozent sind derzeit von anhaltenden und schweren Schmerzen betroffen, das sind 320.000 Menschen. Nur rund 130.000 der Patienten mit dauerhaften schweren Schmerzen werden in Österreich ausreichend behandelt. Etwa 200.000 Österreichern könnte durch eine effektive und nebenwirkungsarme Schmerztherapie wieder zu einer deutlich verbesserten Lebensqualität verholfen werden, berichteten die Schmerzexperten. Ein besonderes Anliegen sei deshalb die Verbesserung der Schmerzforschung und -Behandlung, wobei der Neurologie eine zentrale Rolle zukommt. Unter anderem sollen spezielle „Schmerzakademien“ die Ausbildung im schmerztherapeutischen Bereich fördern und strukturieren.

Sinnvoll abgestufte Versorgung noch weit entfernt

Schmerztherapeutische Betreuung bedeutet nicht nur die Gabe von Schmerzmedikamenten, sondern muss in einem auf den Patienten zugeschnittenen Schmerzmanagement und einer reflektierenden Schmerzkommunikation münden. „Wir wissen, dass weit über 90 Prozent der Schmerzkranken ambulant behandelt werden könnten. Diese Patienten stationär zu behandeln würde eine nicht zu verantwortende Verschwendung von Mitteln bedeuten“, erklärte Quasthoff.„Aber auch wenn Patienten einer stationären Schmerztherapie bedürfen, stehen bisher nur sehr wenige geeignete klinische Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Von einer sinnvoll abgestuften Versorgung: Hausarzt – Schmerzarzt (Neurologe) – Schmerzambulanz – Schmerzabteilung, wie sie in anderen Bereichen der Medizin selbstverständlich ist, sind wir noch weit entfernt.“ Da die Mehrzahl der Schmerzkranken ambulante Patienten sind, die über Jahre oder gar lebenslang behandlungsbedürftig bleiben, sei deren Behandlung primär Aufgabe des niedergelassenen Arztes. Selbstverständlich sollte auch die Behandlung Schmerzkranker wohnortnah in der Praxis stattfinden. Der gut ausgebildete und informierte Hausarzt sollte sich an niedergelassene Schmerztherapeuten zur Zusammenarbeit wenden können. Quasthoff: „Auch dahingehend wird die Bestrebung der ÖGN gerichtet sein, dieses Versorgungsdefizit durch schmerztherapeutisch orientierte Neurologen zu beheben. Auch die Entwicklung von Chro-nifizierungs-Prozessen könnte in vielen Fällen durch effektive Behandlung von Akutschmerzen verhindert und erhebliche Kosten eingespart werden.“

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