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Neurologie 4. Juli 2005

Sturzgefahr einfach mit dem ­Maßband erheben

Es gibt einen einfachen Hinweis, um die Sturzgefahr bei alten Menschen zu erkennen. Dieses im angloamerikanischen Sprachraum „stop walking when talking“ genannte Phänomen sieht so aus, dass sturzgefährdete Personen dazu neigen, beim Gehen stehen zu bleiben, wenn sie anfangen zu sprechen oder über etwas intensiver nachdenken.

Die Sturzgefahr von Demenz-Kranken ist 20-mal und jene von Parkinson-Kranken zehnmal so hoch wie bei gesunden Gleichal-trigen. Störungen der Kreislaufregulation sind hingegen mit schätzungsweise fünf Prozent eher selten Ursache von Stürzen. Diese Fakten präsentierte Dr. Martin Conzelmann beim Kongress Osteologie 2005 in Basel. Er plädierte dafür, das Risiko für Stürze möglichst festzustellen, bevor ein älterer Mensch einmal hinfällt. Dann habe man die Chance, ärztlich „so gut es eben geht“ gegen zu steuern. Dafür gibt es nach Angaben von Conzelmann, der Chefarzt des Geriatrischen Kompetenzzentrums am Felix-Platter-Spital in Basel ist, einfache Tests für die Praxis. Zum Beispiel kann man Patienten fünfmal hintereinander mit über der Brust verschränkten Armen so schnell wie möglich aus einem Stuhl aufstehen und sich wieder hinsetzen lassen. Für diesen Test werden normalerweise höchstens zwölf Sekunden benötigt. Man kann auch ein Maßband an der Wand anbringen und die Patienten anweisen, sich parallel zur Wand vornüber zu beugen, ohne mit den Füßen vorwärts zu gehen. Schafft ein Patient weniger als 25 cm, ohne nach vorne zu kippen, besteht eine hohe Sturzwahrscheinlichkeit. Conzelmann legte eine Metaanalyse von 16 Studien vor. Danach ergaben sich als wichtige Risikofaktoren für Stürze Muskelschwäche und Gangstörungen, etwa wegen eines Hallux valgus. Aber auch ein verringertes Sehvermögen, vor allem des Kontrastsehens, eine Störung des Gleichgewichtssinnes und eine verminderte Pro­priozeption (Tiefensensibilität) – etwa aufgrund eines Vitamin-B12-Mangels oder sonstiger Neuropathien – seien Risikofaktoren.

Hinweise auf erhöhte Gefahr

Sei ein Patient schon einmal gestürzt oder brauche er eine Gehhilfe, dann seien auch dies Hinweise auf eine erhöhte Sturzgefährdung. Nicht zuletzt wies Conzelmann auf das hin, „was wir selbst den Patienten antun.“ Er meinte damit die Verordnung psychotroper Substanzen, die die Sturzwahrscheinlichkeit bei alten Menschen erhöhten. Nach Schätzung des Geriaters liegen bei 90 Prozent der Stürze mehrere Ursachen zugrunde. So seien auch Umgebungsbedingungen zu berücksichtigen, etwa eine schlechte Wohnungsbeleuchtung, fehlende Handgriffe oder Kabel am Boden.

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