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Neurologie 4. Juli 2005

Was steckt hinter unruhigen, zappeligen Beinen?

Wenn Ziehen, Missempfindungen oder Bewegungsunruhe in den Beinen den Schlaf stören, kann es sich um ein Restless-Legs-Syndrom (RLS) handeln.

Die Diagnose des Restless-Legs-Syndrom (RLS) wird klinisch gestellt. Zusatzuntersuchungen dienen vor allem dem Ausschluss sekundärer Formen, wie Dr. Wolfgang Fogel aus Wiesbaden beim Parkinson-Kongress in Frankfurt am Main berichtete. Nach seiner Einschätzung leidet auch ein Teil der hyperaktiven Kinder eigentlich an RLS. Die betroffenen Patienten berichten über Ziehen, Missempfindungen oder Bewegungsunruhe in den Beinen.

Vier Voraussetzungen müssen für die Diagnose RLS erfüllt sein, erläuterte Fogel:

  • Ein Bewegungsdrang der Beine, verbunden mit einem unangenehmen Gefühl, „wie Kopfweh in den Beinen“.
  • Die Beschwerden treten im Liegen oder bei längerem Sitzen auf, etwa im Theater oder beim Autofahren.
  • Sie bessern sich fast vollständig durch Bewegung.
  • Die Beschwerden treten am Abend oder in der Nacht auf.

Jugendliche Patienten sollten ins Schlaflabor

„Ohne diese vier Minimalkriterien hat ein Patient kein RLS“, so Fogel. Elektrophysiologische Untersuchungen, MRT oder der polysomnografische Nachweis periodischer Beinbewegungen können individuell angezeigt sein. Fogel: „Jugendliche Patienten sollten alle ins Schlaflabor. Sie brauchen eine lebenslange Therapie, da muss die Diagnose stimmen.“ Wichtig ist die Bestimmung von Eisen, Ferritin und Blutbild. Selbst ein subklinischer Eisenmangel ruft oft ein RLS hervor. Andere RLS-Ursachen, etwa Polyneuropathien, Urämie oder Diabetes sind meist offenkundig. „Ich habe noch keinen Patienten erlebt, dessen erste Manifestation eines Diabetes mellitus ein RLS war“, sagte Fogel.

Augmentation als Problem bei der L-Dopa-Therapie

Bei sekundärem RLS muss der Patient primär wegen der Grundkrankheit behandelt werden. Ansonsten steht als einzige spezifische Therapie bislang nur L-Dopa zur Verfügung. Ein Therapieversuch lohnt sich auch zur Diagnosesicherung, denn meist sprechen Patienten mit RLS, egal ob idiopathisch oder sekundär, sehr gut darauf an. Hauptproblem der L-Dopa-Therapie ist die Augmentation: Im Laufe der Zeit werden die Beschwerden bei bis zu 80 Prozent der Patienten stärker oder beginnen schon früher am Tag. Mit einer Aufdosierung bekommt man das nicht in den Griff, im Gegenteil. Fogel: „Generell sollten Dosierungen über 300 mg täglich vermieden werden. Es sollte dann auf andere Präparate umgestiegen werden.“ Etwa auf Dopaminagonisten, die länger wirken und seltener zur Augmentation führen. Für Ropinirol, Cabergolin und Pergolid etwa ist die Wirksamkeit bei RLS in klinischen Studien gut belegt. Noch ist ihre Verwendung off-label. Als Alternativen bei Versagen der dopaminergen Therapie empfiehlt Fogel Opiate wie Tramadol, Tilidin/Naloxon oder Oxycodon, als dritte Wahl Antiepileptika oder Clonazepam. „Bei Schlafstörungen kommt zusätzlich eine Therapie mit Zolpidem oder Mirtazapin in Frage. Andere Antidepressiva verstärken das RLS“, so Fogel.

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