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Neurologie 4. Juli 2005

Endokarditis kann Meningitis verursachen

Bei 20 bis 40 Prozent der Endokarditiden zeigen sich neurologische Komplikationen. Die zerebrale Bildgebung ist in solchen Fällen essentiell.

Es kann leicht passieren, bei Meningitis die zu Grunde liegende Endokarditis zu übersehen, wie Dr. Klemens Angstwurm von der Klinik für Neurologie an der Charité Berlin und seine Kollegen in der Zeitschrift „Der Nervenarzt“ (75, 2004, 734) berichten. Die Anfangssymptome beider Erkrankungen sind unspezifisch und ähnlich: Abgeschlagenheit, Entzündungszeichen, Gelenkschmerzen. Die Berliner Neurologen raten, bei bestimmten Befundkonstellationen eine ursächliche Endokarditis differenzialdiagnostisch in Betracht zu ziehen. So ist bei Meningitis der Nachweis von Staphylococcus aureus äußerst ungewöhnlich, aber typisch für eine Endokarditis. Allerdings gelingt die Erregerisolierung aus dem Liquor oft nicht. Grund dafür ist meist die antibiotische Behandlung vor der Punktion.

Herzgeräusche als Hinweis

Wegweisend zur richtigen Ursachenforschung können bislang nicht vorhandene Herzgeräusche sein. Hinweise gibt es auch, wenn Hirninfarkte, Hirn- oder Sub­arachnoidalblutungen mit systemischen Entzündungszeichen, wie Fieber und CRP-Erhöhung, einhergehen. Besondere Aufmerksamkeit ist auch bei bestimmten Risikogruppen geboten. So sind angeborene Herzklappenfehler oder künstliche Herzklappen, Diabetes mellitus, Dialyse, HIV-Infektion oder intravenöser Drogengebrauch prädisponierend. Typische Hautveränderungen bei Endokarditis sind petechiale Blutungen und Osler-Knötchen, also schmerzhafte kleine Knoten an den Fingern und Zehen. Besteht der Verdacht auf eine Endokarditis, empfehlen Angstwurm und seine Kollegen, vor Beginn der Antibiotika-Behandlung drei Blutkulturen abzunehmen, auch wenn kein Fieber besteht. Wurde bereits mit der Antibiotika-Therapie begonnen, solle eine dreitägige Antibiotika-Pause erwogen werden, um erneut Bakterien-Kulturen anlegen zu können. Bei negativen Kulturen müsse auch an Pilze oder schwer nachweisbare Erreger gedacht werden. Hinzu kommt die Echokardiographie, bei starkem klinischem Verdacht möglichst transösophageal, weil damit Erregerherde im Herzen am besten anhand der bakterienhaltigen Gerinnsel nachgewiesen werden können. Bei Hirninfarkten stammen die Embolien in der Regel von den Klappen des linken Herzens. Sie beinhalten meist Erreger, die im Gehirn dann weiter Schaden anrichten. Kommt es zur septischen Enzephalopathie, muss mit einer Letalität von 60 Prozent gerechnet werden. Außerdem kann es bei Hirninfarkten und einer Endokarditis zu Blutungen kommen. Angstwurm warnt deshalb eindringlich vor der Verordnung von Antikoagulantien oder Acetylsalicylsäure: „Antikoagulantien vermindern das Risiko einer Embolie nicht. Die unter dieser Therapie häufigeren intrazerebralen Blutungen sind meist tödlich.“ Die Behandlung bei Endokarditis mit neurologischen Komplikationen ist eine komplizierte und interdisziplinäre Angelegenheit, die Kardiologen und Neurologen fordert. Sie sollte entsprechenden Zentren vorbehalten bleiben. Der wichtigste prognostische Faktor ist die Herzinsuffizienz. Bei Herzversagen kann, trotz hohen Op-Risikos, der Herzklappenersatz die Prognose deutlich verbessern.

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