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Neurologie 4. Juli 2005

Interdisziplinäres Team bei Parkinson erforderlich

Die Prävalenz des Morbus Parkinson liegt bei etwa 160 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner. In Österreich dürften laut Prof. Dr. Gerhard Ransmayr, Leiter der Abteilung für Neurologie und Psychiatrie am AKH Linz, rund 14.000 bis 20.000 Patienten betroffen sein.

Nach den derzeit gültigen diagnostischen Kriterien muss bei Parkinson-Patienten eine Hypokinesie und zumindest eines der Symptome Rigor, Tremor oder Stand- und Ganginstabilität vorliegen. „Das Typische ist, dass diese motorischen Symptome meist asymmetrisch ausgeprägt sind“, erinnerte Prof. Dr. Gerhard Ransmayr im Rahmen der 3. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie, die erstmals in Zusammenarbeit mit der Österreichischen Parkinson Gesellschaft im April in Graz stattfand. Zu bedenken ist sowohl klinisch als auch therapeutisch, dass es sich nicht um eine rein motorische Erkrankung handelt. Durch eine genaue Eigen-, Familien- und gegebenenfalls Fremdanamnese sowie eine detaillierte neurologische Untersuchung sind auch vegetative Symptome wie Hypersalivation, Seborrhoe, Hyperhidrose, orthostatische Hypotonie, Sphinkter- und Detrusorfunktion, sowie Störungen von Schlaf und Vigilanz, sensorische Störungen und Schmerzen, psychische Störungen, kognitive Symptome, Verhaltens- und Atemstörungen abzuklären. Als wichtigste Differenzialdiagnose nannte Ransmayr den essentiellen Tremor.

Therapiemöglichkeiten haben sich rasant erweitert

Bildgebende Verfahren wie CT, MRI, SPECT oder PET stehen erst am Ende der klinischen Diagnostik. Die Möglichkeiten der Behandlung des M. Parkinson haben sich in den letzten Jahren rasant erweitert und erlauben ein sehr differenziertes Vorgehen (s. Tab.).

Prof. Dr. Eduard Auff, Vorstand der Univ.-Klinik für Neurologie, AKH Wien, berichtete über den aktuellen Stellenwert einer Monotherapie mit Dopaminagonisten. Nur für drei Substanzen – Ropinirol, Cabergolin und Promipexol – stehen randomisierte, kontrollierte Langzeit-Vergleichsstudien zur Verfügung. Bewiesen ist die gute motorische Symptomenkontrolle. Der klinische Effekt ist mit L-Dopa besser (Real-Pet-Studie), jedoch treten im Vergleich zu L-Dopa unter der Therapie mit neueren DA-Agonisten signifikant seltener medikamentös induzierte Dyskinesien auf. Nach fünf Jahren benötigen etwa zwei Drittel der Patienten mit einer initialen DA-Monotherapie eine zusätzliche L-Dopa Gabe, allerdings nur in etwa der Hälfte der L-Dopa-Tagesdosis im Vergleich zur L-Dopa-Monotherapie. „Die Frage, ob DA-Agonisten protektiv auf das Nervensystem wirken, ist derzeit noch nicht gelöst“, meinte Auff. Bei einer initialen Monotherapie mit DA-Agonisten empfahl der Experte, auf eine sehr langsame Aufdosierung über mehrere Wochen zu achten und die Patienten dahingehend zu informieren. Auff: „Ein Therapieansprechen zeigt sich bei achtzig Prozent der Responder nach spätestens 9 mg Ropinirol pro Tag.“ Die maximale zugelassene Tagesdosis beträgt 24 mg pro Tag.„Therapeutisch können die Sichtweise des behandelnden Arztes und die Bedürfnisse des Patienten und der betreuenden Personen allerdings divergieren“, warnte Ransmayr, „daher plädieren wir für eine ärztliche Betrachtungsweise, die sich an der Lebensqualität des Patienten orientiert. Für den Patienten wichtig sind die Erfassung von Funktionsdefiziten, eine verträgliche, lang anhaltende wirksame Symptomkontrolle und die einfache Handhabung der Therapie. Es sollte auch nicht darauf vergessen werden, dass Parkinson-Patienten Rehabilitationsmaßnahmen und spezifische Zuwendung benötigen. Sie brauchen ein interdisziplinäres Team.“

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