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Neurologie 4. Juli 2005

Länger anfallsfrei durch Monotherapie

Das derzeit als Add-on zugelassene neue Antiepileptikum Levetiracetam kann auch erfolgreich und sicher als Monotherapie bei bis dahin therapieresistenten Patienten eingesetzt werden. Das konnte durch Langzeitstudiendaten bestätigt werden.

Die Monotherapie mit einem Antiepileptikum gilt heute als der Standard für die initiale Epilepsiebehandlung und sollte laut Meinung von Prof. Dr. Christoph Baumgartner von der Universitätsklinik für Neurologie, Medizinische Universität Wien, zunächst bei jedem Epilepsiepatienten angestrebt werden. Seit der Entdeckung der neuen Antiepileptika (AED – Antiepileptic Drug) wurden die Behandlungsoptionen für refraktäre Epilepsien deutlich erweitert. Die Erfahrung der vergangenen Jahre zeigte, dass Monotherapie genauso effektiv ist wie Polytherapie. „Die Vorteile der Monotherapie im Vergleich zur Kombinationstherapie liegen in einem günstigeren Verhältnis von Wirksamkeit zu Nebenwirkungen, der klaren Beurteilbarkeit von Wirksamkeit und Nebenwirkungen sowie fehlenden Arzneimittelinteraktionen“, betont Baumgartner. Levetiracetam (Keppra®), das für die adjuvante Therapie partieller Anfälle mit oder ohne Generalisierung bei Erwachsenen zugelassen ist, hat sich als eines der effektivsten und nebenwirkungsärmsten neuen Antiepileptika etabliert. Anlässlich des 6. Europäischen Kongresses für Epileptologie im Juni 2004 in Wien präsentierte Prof. Dr. Elinor Ben-Menachem aus Göteborg eine Langzeitstudie, in der therapieresistente Patienten, bei denen mit Levetiracetam in der Kombinationstherapie Anfallsfreiheit oder eine signifikante Anfallsreduktion erzielt werden konnte, auf eine Monotherapie mit Levetiracetam umgestellt wurden. In dieser in der Epileptic Disorders publizierten Arbeit analysierten die Autoren zunächst die Daten von 505 Patienten unter Levetiracetam als Add-on-Therapie in Doppelblindstudien und anschließend in einer Open Label Follow-up-Studie über 5,5 Jahre.

Anhaltende Wirkung und gute Verträglichkeit

Baumgartner: „Insgesamt konnte bei 67 dieser schwer behandelbaren Patienten eine Umstellung auf eine Monotherapie mit Levetiracetam erreicht werden, 49 Patienten setzten die Monotherapie für mindestens 18 Monate fort, der Prozentsatz der anfallsfreien Patienten lag bei 64,2 Prozent. Es zeigte sich kein Wirkverlust bei guter Verträglichkeit.“ Anfallsfreie Perioden für zumindest 24, 48 oder 156 Wochen, also beinahe drei Jahre, wurden bei 57,5%, 54,8% bzw. 52,2% der Patienten beobachtet. Ein Patient war nach Abschluss der Studie seit mehr als fünf Jahren anfallsfrei. Im zweiten Studienarm dieser Langzeitstudie zeigten 456 Patienten, die bis zum Ende der Studie nicht für mindestens drei Monate Levetiracetam als Monotherapie erhalten hatten, wie die Monotherapie-Gruppe eine stabile Anfallsfrequenz. Dies wurde von der Studienleiterin Ben-Menachem als Hinweis auf die anhaltende Effektivität auch in dieser Patientengruppe gewertet. Die Wahrscheinlichkeit für Anfallsfreiheit betrug hier über zumindest 12 Wochen 24,8, über 24 Wochen 20,1, über 48 Wochen 17,6 und über 156 Wochen 16,2 Prozent. Zwei Patienten aus diesem Studienarm blieben zumindest 300 Wochen, also über fünf Jahre, anfallsfrei. Alle in der Studie inkludierten Patienten tolerierten Levetiracetam gut. Ben-Menachem resümiert: „Diese vorläufigen Daten der Langzeitbehandlung verdeutlichen das Potenzial von Levetiracetam in der Monotherapie als eine verträgliche, wirksame und vernünftige Wahl für die Behandlung von Patienten mit partiellem Anfallsgeschehen.“ Auch Baumgartner stellt fest: „Die Ergebnisse dieser Studie geben auch bei schwer behandelbaren Patientengruppen berechtigte Hoffnungen für den zukünftigen Einsatz von Levetiracetam in der Monotherapie von Patienten mit neu diagnostizierten Epilepsien bzw. im frühen Krankheitsverlauf, wobei Studienergebnisse für diese Patientengruppen im direkten Vergleich mit den klassischen Antiepileptika noch ausstehen.“

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