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Neurologie 13. Dezember 2014

Psoriasis-Medikament gegen Alzheimer-Demenz

Demenz – eine Erkrankung, die zu den häufigsten Gesundheitsproblemen im höheren Lebensalter zählt. Geschätzte 35 Millionen Menschen leiden derzeit weltweit an dieser Krankheit, im Jahr 2050 ist mit 135 Millionen Demenz-Patienten weltweit zu rechnen. Wissenschaftler der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz haben nun neue Erkenntnisse zur Behandlung von Patienten mit Alzheimer-Demenz gewonnen: Ein eigentlich für die Behandlung der Hautkrankheit Psoriasis zugelassenes Arzneimittel führt im Gehirn von Alzheimerpatienten zu einer verstärkten Aktivität des Enzyms ADAM10. Die Studienergebnisse sind in der aktuellen Ausgabe von „Neurology" veröffentlicht.      

Es ist noch umstritten, was die häufigste, die spät einsetzende Alzheimer-Demenz, auslöst. Als gesicherte Erkenntnis gilt aber, dass die Aktivität bestimmter Sekretasen dabei eine Rolle spielt. Diese Enzyme spalten Eiweiße auf Zelloberflächen und führen zur Freisetzung der Spaltprodukte. Im Krankheitsfall kommt es zu einer vermehrten Spaltung des Amyloid-Vorläuferproteins durch die beta-Sekretase, wobei Amyloid-beta Peptide entstehen. Diese Peptide lagern sich zusammen, schädigen Nervenzellen und bilden den Hauptbestandteil der sogenannten Alzheimer-Plaques im Gehirn.

Die alpha-Sekretase ADAM10 (A disintegrin and metalloproteinase 10) ist ein Gegenspieler der beta-Sekretase: Sie spaltet das Amyloid-Vorläuferprotein so, dass die Entstehung von Amyloid-beta Peptiden verhindert und gleichzeitig ein Nervenzellen-schützender Wachstumsfaktor freigesetzt wird, das APPs-alpha.

Die Grundlagenforscher Dr. Kristina Endres und Prof. Dr. Falk Fahrenholz, beide Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz, haben aufbauend auf dieser Erkenntnis nun einen neuen Ansatz zur Therapie der Alzheimer-Erkrankung gefunden. In Zusammenarbeit mit den Professoren Dr. Klaus Lieb und Dr. Andreas Fellgiebel, beide Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, sowie in Kooperation mit Prof. Stefan Teipel und seinem Team vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) in Rostock, haben die Wissenschaftler an einer Gruppe von Alzheimer-Patienten nachgewiesen, dass sich bei einer oralen Gabe eines Schuppenflechte-Medikamentes die Menge an APPs-alpha in der Rückenmarksflüssigkeit von Alzheimerpatienten erhöht. Dies ist ein starker Indikator für eine Aktivitätssteigerung der alpha-Sekretase ADAM10, die wiederum die Ablagerung von Alzheimer-Plaques vermindert.

Im Tiermodell der Alzheimer-Erkrankung hat sich zudem gezeigt, dass ADAM10 die Lern- und Gedächtnisleistung verbessert. Das Medikament wurde von den Patienten gut vertragen. Um den Einfluss der getesteten Substanz auf die geistige Leistungsfähigkeit bei Patienten weiter zu untersuchen und zu prüfen, ob es langfristig als Alzheimer-Therapeutikum eingesetzt werden kann, sind größere klinische Studien mit längerer Behandlungsdauer erforderlich.

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