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Neurologie 4. Juli 2005

Früher Hinweis auf klinische MS-Manifestation

Der Nachweis spezifischer Anti-Myelin-Antikörper im Blut zeigt bei Patienten mit Multipler Sklerose ein hohes Risiko für eine Manifestation der Erkrankung.

Mit einem Test auf Anti-Myelin-Antikörper lassen sich bei Patienten, die an Multipler Sklerose (MS) erkrankt sind, jene herausfinden, bei denen sich die Erkrankung sehr wahrscheinlich in kurzer Zeit klinisch manifestieren wird. Diese Patienten sollten schnell eine Intervalltherapie erhalten. Die Prävalenz der MS liegt etwa bei 120 auf 100.000 Einwohner. Die meisten Patienten haben nur ein einzelnes Symptom, zum Beispiel eine Optikus-Neuritis, wenn erstmals der Verdacht auf MS besteht.

Etwa die Hälfte der Patienten hat Anti-Myelin-Antikörper

Etwa die Hälfte aller MS-Kranken hat einen MS-Subtyp, bei dem Antikörper gegen das Myelin-Basic-Protein (MBP) oder das Myelin-Oligodendrozyten-Glykoprotein (MOG) für die Zerstörung der Myelinscheiden und damit für die Axonschäden von Bedeutung sind. Die übrigen drei Subtypen beruhen auf Oligodendrozyten-Defekten oder sind Makrophagen-vermittelt, wie Dr. Robert Egg von der Universitätsklinik für Neurologie in Innsbruck bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie in Düsseldorf erläuterte. Das Team in Innsbruck untersuchte 103 Patienten mit isolierten Symptomen einer MS und positivem Befund im MRT sowie in Laboruntersuchungen des Liquors. Die Patienten wurden bis zu fünf Jahre alle drei Monate klinisch untersucht. Serologisch teilten die Forscher die Patienten in drei Gruppen ein. Ein Teil hatte beide Typen von Antikörpern, ein anderer nur einen von beiden und die dritte Gruppe keine Anti-Myelin-Antikörper.

76-fach erhöhtes Risiko

Die Studienteilnehmer mit Anti-MOG- und Anti-MBP-Antikörpern hatten ein im Vergleich zu seronegativen Patienten 76-fach erhöhtes Risiko, innerhalb der nächsten Monate – im Durchschnitt nach 7,5 Monaten – eine klinisch gesicherte MS zu entwickeln. Das Risiko betrug 95 Prozent. In der Gruppe, die Anti-MOG-positiv und Anti-MBP-negativ war, lag das Risiko immerhin bei 83 Prozent und damit um das 32-fache höher als bei den seronegativen Patienten. Die durchschnittliche Zeit bis zur eindeutigen klinischen Manifestation habe bei den Anti-MOG-positiven Patienten 15 Monate betragen, so Egg. Patienten mit Anti-Myelin-Antikörpern sollten möglichst rasch behandelt werden, etwa mit Glatirameracetat oder Beta-Interferonen, sagte Egg. Nach vorläufigen Studienergebnissen senke Glatirameracetat die Konzentration der Anti-MOG-Antikörper deutlich. Den Antikörper-Test mit Blut bieten die Innsbrucker zum Selbstkostenpreis an (etwa 65 Euro pro Patient). Es sei keine kommerzielle Anwendung geplant, so Egg.

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