zur Navigation zum Inhalt
© Galina Barskaya/iStock/Thinkstock
Geistige und körperliche Bewegung hält das Hirn länger fit.
 
Neurologie 14. November 2014

Kampf dem Vergessen

Geistige und körperliche Aktivität und gesunde Ernährung können vorbeugen

Ein Nachlassen des Gedächtnisses wird zu Beginn oft noch als Schusseligkeit belächelt. Doch über die Jahre kann sich daraus ein krankhafter Zustand entwickeln, der Alltagskompetenzen massiv einschränkt.

Für ein selbstbestimmtes Leben im Alter ist die Gedächtnisleistung richtungsweisend. Durchblutungsstörungen und hirnorganische Veränderungen stehend dem häufig entgegen, denn sie führen zu einer nachlassenden Funktionsfähigkeit des Gehirns.

Demenz

Ein vergessener Termin oder ein verlegter Schlüssel ergeben noch kein Krankheitsbild. Gehen solche Gedächtnisstörungen jedoch einher mit einer Beeinträchtigung eines weiteren neurophysiologischen Teilbereichs (wie Orientierung, Sprachverständnis oder der Fähigkeit zum Lesen, Schreiben oder Rechnen) und sind damit alltagsrelevante Fähigkeiten zur Lebensführung eingeschränkt, dann liegt ein demenzielles Syndrom vor. Um diese Definition des ICD-10 zu erfüllen, müssen die Symptome mindestens ein halbes Jahr lang bestehen.

Allein in Deutschland rechnet man bis zum Jahr 2050 mit einem Anstieg der Zahl der Demenzkranken auf drei Millionen Menschen. Die Defizite der Gedächtnisleistung können verschiedene organische Ursachen haben und sich je nach Art und Schwere der betroffenen Gehirnregion individuell ausprägen. Mit 55 Prozent ist die Alzheimer-Demenz am häufigsten, gefolgt von vaskulären Demenzen (15 %) und Mischformen aus diesen beiden (15 %).

Natürlich gibt es eine genetische Disposition, die dem einen eine Neigung zur Demenzentwicklung in die Wiege legt und den anderen davor bewahrt. Generell kann aber jeder etwas dafür tun, seine kognitiven Funktionen so lange wie möglich zu bewahren.

Risikofaktoren meiden

Ein Übermaß von Kalorien, Salz, Zucker und ungesättigten Fettsäuren führt nicht nur zu Übergewicht und Bluthochdruck, sondern steigert auch das Risiko für Gefäßschäden – und damit für Herzinfarkt, Schlaganfall und nicht zuletzt für eine vaskuläre Demenz. Ein Insulinmangel infolge eines Typ-II-Diabetes kann im Gehirn Entzündungsprozesse und Plaquebildung begünstigen. Ebenso schädlich ist ein Nikotinmissbrauch, denn selbst beim Passivrauchen erhöht sich dosisabhängig das Risiko für Demenzen.

Selbst wenn der geistige Verfall bereits im Gang ist, kann ein moderates Bewegungsangebot wie eine Gehstrecke von zwei bis vier Kilometern täglich helfen, den Fortschritt zu bremsen. Bewegung verbessert nicht nur die Blutversorgung im Gehirn, sondern stimuliert die Freisetzung von Neurotransmittern, die den Ausbau und die Regenerierung des Nervensystems steuern.

Das Demenzrisiko sinkt mit der Höhe der beruflichen Ausbildung, die, so vermuten Forscher, die Freude am Denken fördert und dem Gehirn eine größere Flexibilität beschert, mit der es funktionserhaltend auf beginnende Schäden reagiert. Auch die folgenden Faktoren stärken die kognitive Reserve: ein langes Berufsleben mit vielseitigen Aufgaben, Zweisprachigkeit, anregende Hobbys, die Pflege eines sozialen Netzes sowie die Vermeidung von Stress.

Selbstmedikation

Acetonisch-wässrige Extrakte aus Ginkgo-biloba-Blättern sind bei altersbedingten Hirnleistungsstörungen indiziert. Die meisten klinischen Studien wurden mit dem Extrakt EgB 761 gemacht. Neben dem Vorhandensein von antioxidativen und neuroprotektiven Effekten konnte gezeigt werden, dass der Extrakt die Neurotransmittertätigkeit im Hippocampus aktiviert, dem Ort, über den Erinnerungen abgespeichert und die Inhalte vom Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis übertragen werden. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen hält den Nutzen entsprechender Präparate „im Hinblick auf die Verbesserung der Aktivitäten des täglichen Lebens wie Körperpflege oder Hausarbeit“ für erwiesen.

springermedizin.de

Die wichtigsten Fragen

• Seit wann leiden Sie unter Gedächtnis- störungen?

• Erinnern Sie sich besser an aktuelle Ereignisse oder an solche, die lange zurückliegen?

• Wie steht es mit Ihrem Orientierungssinn?

• Bemerken Sie Einbußen beim Lesen, Schreiben oder Rechnen?

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben