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Neurologie 14. November 2014

Sonnenlicht tut MS-Patienten gut

Der Lichtmangel im Winter drückt nicht nur aufs Gemüt, sondern belastet auch das Immunsystem und kann den Verlauf der Multiplen Sklerose negativ beeinflussen. Tatsächlich erkranken Menschen seltener an der Autoimmunerkrankung, wenn sie in Regionen mit starker Sonneneinstrahlung leben.

Bei MS-Patienten, die an der schubförmigen Form leiden, ist ein Ziel der Therapie, diese zu verhindern. Die Häufigkeit von Schüben ist aber nicht überall auf dem Globus gleich: „Je höher die natürliche UV-Strahlung, desto geringer die Wahrscheinlichkeit der Schübe“, kommentiert Prof. Dr. Heinz Wiendl von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, Direktor der Klinik für Allgemeine Neurologie in Münster und VizeVorstand des Kompetenznetz Multiple Sklerose (KKNMS). Er und sein Team erforschen den Zusammenhang zwischen Licht und Multipler Sklerose und veröffentlichten dieses Jahr bereits eine Studie1: Sie fanden im Blut von Patienten, die zuvor mit UV-B-Licht bestrahlt wurden, schon einen Tag später vermehrt regulatorische T- und dendritische Zellen. Allerdings hält diese Wirkung nur kurz: Wurde die Bestrahlung auch nur für wenige Tage unterbrochen, verschlechterten sich Blutwerte und Immunsystem wieder.

Schübe zeigen wiederkehrendes Muster

Die Ergebnisse wurden in Annals of Neurology veröffentlicht, demselben Fachmagazin wie die aktuelle internationale Arbeit vom Oktober 2014 um den Australier Dr. Tim Spelman vom Department of Neurology am Royal Melbourne Hospital2. Die Forscher nutzten die MSBase Registry – eine internationale Online-Datenbank mit einem Datenpool von mehr als 32.000 MS-Patienten.

Sie werteten 32.762 MS-Schübe von fast 10.000 Patienten in 55 klinischen MS-Behandlungszentren aus 30 Ländern aus. Dabei zeigten sie, dass die Schübe einem wiederkehrenden Muster folgen: Sie treten besonders häufig zu Beginn des meteorologischen Frühjahrs, also nach der geringen UV-Strahlung im Winter, und besonders selten im Herbst auf – und zwar genauso bei Patienten in der nördlichen wie auch südlichen Hemisphäre. Dabei lag zwischen dem UV-Strahlungstief im Winter und dem Auftreten der Schübe im Frühjahr im Schnitt ein Zeitraum von knapp drei Monaten. Dieser Zeitraum verkürzte sich, je weiter die Menschen vom Äquator entfernt lebten, im Durchschnitt um 2,9 Tage pro Breitengrad.

Die Autoren vermuten, dass Menschen mit einem niedrigeren Vitamin-D-Level nach dem Winter früher einen Vitamin-D-Mangel erleiden, der die Wahrscheinlichkeit von Schüben erhöhen könnte.

Literatur:
1 Breuer J et al. Ann Neurol 2014 May 14; http://bit.ly/1oQ9OvY
2 Spelman T et al. Ann Neurol 2014 Oct 20; http://bit.ly/110ka1d

Quelle: KKNMS e. V.– Krankheitsbezogenes Kompetenznetz Multiple Sklerose, TU München

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