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Auch Übungen zu Koordination und Sensibilität oder kognitive Trainings stehen auf dem Programm.

In der Therapieküche können verschiedenste Fertigkeiten wie z. B. das Schneiden von Obst trainiert werden.

© (4) ig Schedl office

Im Rahmen eines individuell zusammengestellten Behandlungsplans können die Patienten ihre Trainingseinheiten in Gruppen- oder Einzelsitzungen absolvieren.

Der interdisziplinäre Ansatz ermöglicht es, ganz individuell auf die Bedürfnisse der Patienten einzugehen.

 
Textanzeige 23. Mai 2014

Ambulante Neuro-Rehabilitation mit maßgeschneiderten Lösungen

Neurologische Versorgung: Interdisziplinäres Rehabilitationskonzept im Haus der Barmherzigkeit macht vor allem Patienten mit Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma und Multipler Sklerose wieder fit für den Alltag.

Viele neurologische Patienten haben – auch nach dem akuten Krankenhausaufenthalt und bereits absolvierter stationärer Rehabilitation – noch Probleme ihren Alltag und/oder das Berufsleben zu bewältigen. Hier setzt das interdisziplinäre ambulante Rehab-Konzept im Haus der Barmherzigkeit an. Das jeweils individuell abgestimmte Programm eignet sich für Patienten mit motorischen Defiziten, kognitiven und psychischen Problemen sowie Sprech- und Schluckbeschwerden. Die Zuweisung kann auch durch niedergelassene Ärztinnen und Ärzte erfolgen.

Manche neurologischen Patienten haben auch nach der Akutversorgung im Krankenhaus und einer stationären Rehabilitation noch Probleme, ihr Alltags- und Berufsleben zu bewältigen. Diese Patienten weisen häufig Defizite in mehreren Bereichen – wie Motorik, Kognition, Psyche, Sprechen oder Schlucken – auf. Für sie eignet sich die sechsmonatige wohnortnahe Ambulante Neurologische Rehabilitation, wie sie vom Haus der Barmherzigkeit angeboten wird.

Prinzipiell können im Rahmen dieser Rehab-Maßnahme alle neurologischen Krankheitsbilder behandelt werden, häufig handelt es sich jedoch um Patienten nach Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma oder mit einer Multiplen Sklerose. Ausgenommen sind lediglich Berufsunfälle und Krankheiten, die von der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt AUVA abgedeckt werden. Insgesamt sollen die Patienten so weit stabilisiert und selbstständig sein, dass sie zu Hause wohnen können und durch intensive Therapie noch deutliche Verbesserungen erreichen können. Das entspricht Phase D und E nach dem Phasenmodell neurologischer Krankheitsprozesse der Österreichischen Gesellschaft für Neurorehabilitation (ÖGNR, siehe auch www.neuroreha.at/phasenmodell.html).

Neuro-Rehab: Medizinische und formale Voraussetzungen

Für die Ambulante Neuro-Rehab kommen aus medizinischer Sicht Patienten in Frage mit einer zurückliegenden akuten oder bestehenden chronischen neurologischen Erkrankung, aufgrund von

• peripheren oder zentralnervös bedingten Erkrankungen,

• neurochirurgischen Eingriffen oder

• Hirn- und/oder Rückenmarksverletzungen.

Zudem sollte der Barthel-Index mindestens 80 Punkte betragen.

Formale Kriterien, die die Pensionsversicherungsanstalt (PVA) als Leistungsträger verlangt, sind:

• Berufstätigkeit oder eine befristete Berufsunfähigkeits- oder Invaliditätspension,

• eine bereits absolvierte stationäre neurologische Rehabilitation

• und die Stellung eines Antrags durch den Patienten oder eine(n) Angehörige(n) bei der PVA.

Wichtig: Zwischen Entlassung aus der stationären Rehabilitation und Antragsstellung dürfen nicht mehr als drei Monate liegen.

Zuweiser sind Fachärzt/-innen aus den Bereichen Allgemeinmedizin, Neurologie, Neurochirurgie sowie Physikalische Medizin, die entweder im niedergelassenen Bereich oder in Rehabilitationszentren bzw. in Akutkrankenhäusern arbeiten. Sie müssen eine ärztliche Stellungnahme auf dem Antrag abgeben. Dieser muss von der PVA vor Beginn der Rehab bewilligt worden sein.

Behandlungsziele und -methoden individuell erarbeitet

Die Teilnahme an der Ambulanten Neuro-Rehabilitation zielt vor allem darauf ab, alltags- und berufsrelevante Fähigkeiten zu verbessern. Dadurch kann eine bessere Teilhabe am sozialen Leben und im Berufsleben erreicht werden. Dies schließt auch die psychische Verarbeitung der Krankheit und ihrer Folgen ein. Der institutsgebundene, interdisziplinäre Ansatz der Neuro-Rehab im Haus der Barmherzigkeit ermöglicht es, ganz individuell auf die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten einzugehen. Therapeuten und Patienten entwickeln zusammen maßgeschneiderte Therapieziele, die dann in einem sechsmonatigen Training mithilfe eines individuellen Behandlungsplans erarbeitet werden.

Bei der Planung werden die Situation vor Krankheitsbeginn, die aktuellen Defizite, das soziale Umfeld und die Wünsche der Betroffenen berücksichtigt. Grundlage dafür sind eine gründliche Anamnese, die Begutachtung der Vorbefunde sowie eine neurologisch-körperliche Untersuchung, die bei Bedarf durch weitere diagnostische Maßnahmen ergänzt wird. Nach dem Assessment beginnt die Rehabilitation. Die Patienten nehmen entsprechend ihres Trainingsplans in unterschiedlichem Ausmaß an den verschiedenen Physio- und Ergotherapie-Trainings sowie den logopädischen und neuropsychologischen Angeboten teil. Sie trainieren in Einzel- und Gruppensitzungen jeweils zweimal pro Woche. Die Behandlungszyklen beginnen jeweils im September und Februar. Während der Rehabilitation wird der Fortschritt regelmäßig durch Zwischenuntersuchungen überprüft.

Vorteil Wohnortnähe und Interdisziplinarität

Ein großer Vorteil der ambulanten Neuro-Rehabilitation ist das Training im gewohnten Umfeld. Die gelernten Kompensationsstrategien können sofort im Alltag ausprobiert, eventuell angepasst und weiter trainiert werden. Ganz praktisch werden typische Alltagssituationen in der Realität geübt, ein „Einkauf“ zum Beispiel: Gehen, Tragen, Dinge aus dem Regal nehmen, an der Kasse anstehen, der Umgang mit Geldbörsel und Geld, das Einpacken und Transportieren der gekauften Dinge. Diese und andere Übungen ermöglichen es den Patienten bald wieder die Dinge zu tun, die für Gesunde selbstverständlich sind, wie ins Kino gehen, einkaufen oder sich mit Freunden treffen. Auch Tätigkeiten, die im Berufsleben wichtig sind, werden trainiert. Dazu gehören zum Beispiel Fähigkeiten wie Telefonieren, den Computer bedienen oder Gespräche führen.

Die Angebote: Von Ergotherapie bis Sprechtraining

• Physiotherapie: Die Physiothera-pie wird zur Behandlung von Lähmungen, erhöhtem Muskeltonus sowie eingeschränkter Steh- und Gehfähigkeit eingesetzt. Dabei kommen aktuelle neurologische Behandlungskonzepte in Einzel- und Gruppentherapieeinheiten sowie apparativ unterstützte medizinische Trainingstherapien zum Einsatz. Schmerzfreie Bewegungen und optimale Selbstständigkeit sind zwei wichtige Ziele.

• Ergotherapie: In Einzeltherapie oder Gruppentherapieeinheiten werden Grob- und Feinmotorik trainiert. Auch Übungen zu Koordination und Sensibilität oder kognitive Trainings stehen auf dem Programm. In der Therapieküche oder der Therapiewerkstatt können verschiedenste Fertigkeiten – von Obst schneiden über handwerkliche Tätigkeiten bis hin zur Arbeit am Computer – geübt werden. So lässt sich die Selbstständigkeit und Handlungsfähigkeit im Alltag verbessern.

• Klinische Psychologie: Neurologische Erkrankungen gehen auch mit emotionalen Verstimmungen einher, die sich auch als mani- feste Depressionen zeigen können. Hier kann die Klinische Psychologie wirksame Wege aus der Depression aufzeigen. Auch psychische Belastungen aufgrund der Krankheit– Stichwort Krankheitsbewältigung – können aufgefangen und aufgearbeitet werden.

• Neuropsychologie: Kognitive Beeinträchtigung wie z. B. Gedächtnisstörungen, Aufmerksamkeitsdefizite, Konzentrationsprobleme und räumliche Desorientierung beeinträchtigen den Alltag der Betroffenen, vor allem im beruflichen Kontext häufig stark. Die Therapie in diesem Bereich setzt vor allem auf spielerische Übungen am Computer und Gruppentrainings.

• Logopädie: Sprech-, Sprach- und Schluckstörungen sind ein häufiges Problem bei neurologischen Erkrankungen. Um auf individuelle Bedürfnisse eingehen zu können, werden Training von Gestik und Mimik, Sprachübungen, die Arbeit mit Bildern und Text sowie eine gezielte Schlucktherapie ausschließlich in Einzeltherapie angeboten.

• Diätberatung: Die Ambulante Neurologische Rehabilitation im Haus der Barmherzigkeit bietet zudem eine Ernährungsberatung für Betroffene und ihre Angehörigen an. Die Diätolog/-innen thematisieren in den Gruppen neurologische Themen wie Schluckstörungen, aber auch Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes.

Weitere Informationen zur Neuro-Rehab sowie den Download zum Rehab-Antrag finden Sie auf der Webseite des Hauses der Barmherzigkeit: www.hausderbarmherzigkeit.at/ neurorehab

Carola Göring, Ärzte Woche 22/2014

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