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Neurologie 17. April 2014

Das richtige Maß macht’s

Ein Tag pro Woche Enkelsitten hält Omas in Topform.

Großmütter sind geistig am fittesten, wenn sie sich an einem Tag der Woche um ihre Enkelkinder kümmern, so das Ergebnis einer australischen Studie. Wird die Betreuung allerdings zur täglichen Gewohnheit, leiden die kognitiven Fähigkeiten der Omas.

Wer sich sozial engagiert, bleibt geistig auf der Höhe. Ob und wie sich dieser Vorteil auch auf Großmütter auswirkt, die ihre Enkel betreuen, hat Katherine F. Burn von der Universität Melbourne zusammen mit australischen und amerikanischen Kollegen untersucht. An ihrer Studie nahmen 186 australische Frauen der prospektiven Längsschnittstudie „Women’s Healthy Aging Project“ teil. 131 von ihnen waren Großmütter. Jede Zweite von ihnen war noch berufstätig. Die meisten Omas kümmerten sich um ihre Enkel, ohne dass es von ihnen erwartet wurde.

Zusammenhang zwischen Betreuungsdauer und Kognition

Die kognitiven Fähigkeiten der postmenopausalen Frauen zwischen 45 und 55 Jahren wurden mit dem Symbol-Digit Modalities Test (SDMT) über acht Jahre hinweg jährlich erfasst. Weitere Untersuchungen wurden mit dem California Verbal Learning Test (CVLT), dem Symbol-Digit Modalities Test (SDMT) und dem Tower of London (TOL) durchgeführt. Dabei wurden die Frauen in Gruppen eingeteilt, je nachdem, wie lang sie ihre Enkel betreuten (niemals, alle paar Monate, einmal pro Monat, alle paar Wochen, einige Stunden pro Woche, 1 Tag, > 1 Tag, ≥3 Tage oder ≥ 5 Tage/Woche).

Die Ergebnisse der kognitiven Tests zeigten keine signifikanten Unterschiede zwischen Frauen mit und ohne Enkelkinder. Wurden allerdings die Großmütter dahingehend verglichen, wie viel Zeit sie jeweils mit ihren Enkeln verbrachten, zeigte sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen der Betreuungsdauer und den kognitiven Fähigkeiten der Omas. Die höchsten Punktzahlen in den vier kognitiven Scores, mit denen unter anderem das episodische Gedächtnis sowie Fähigkeiten der Entscheidungsfindung und Problemlösung untersucht wurden, sowie im California Verbal Learning Test (CVLT) erreichten Teilnehmerinnen, die einen Tag pro Woche mit dem Nachwuchs ihrer Kinder beschäftigt waren. Frauen dagegen, die ihre Enkel fünf oder mehr Tage pro Woche betreuten, wurden im SDMT die schlechtesten Gedächtnisleistungen und die geringste Verarbeitungsgeschwindigkeit unter allen Großmüttern bescheinigt (1 Tag/ Woche 52,89 verus ≥ 5 Tage/Woche 41,83).

Nicht zu viel beanspruchen

Um Omas Gedächtnis in Topform zu halten, sollte man sie also nicht mit der Kinderbetreuung überstrapazieren. Burn und Kollegen spekulieren, dass bei mehr Beanspruchung dann auch Stimmungen eine Rolle spielen, die etwa durch das Gefühl ausgelöst werden, die Betreuungsleistung werde eingefordert. Dies ist einer der Aspekte, die in künftigen Studien weiter untersucht werden sollen.

 

 

Basierend auf: Burn K. F. et al. Results from the Women’s Healthy Aging Project. Menopause 2014; doi: 10.1097/gme.0000000000000236

springermedizin.de, Ärzte Woche 17/2014

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