zur Navigation zum Inhalt
 
Neurologie 30. Juni 2005

Neurorehabilitation einmal anders

In einem Pilotprojekt sollen in Haag am Hausruck von „Assista“ etwa 50 Patienten mit komplexen neurologischen Störungen täglich vier Stunden betreut werden.

Pro Jahr sind in Oberösterreich jährlich mindestens 200 Menschen von schweren und 400 von mittelschweren Schädel-Hirn-Traumen betroffen. „Es gibt zu wenige stationäre Plätze für Neurorehabilitation und auch ein massives Defizit bei den nachfolgenden rehabilitativen Maßnahmen“, betont Dr. Arthur Brucker, Facharzt für Neurologie und Psychiatrie in Wilhering. Er ist auch im Vorstand der „Schädelhirntrauma-Lobby“ vertreten.„Im niedergelassenen Bereich stehen großteils freiberufliche Therapeuten zur Verfügung, die nur isolierte Leistungen in ihrem Fachgebiet bieten können. Noch dazu sind es zu wenige“, kritisiert Brucker. Es würde auch an systematischer Planung der Rehabilitation fehlen beziehungsweise die den Betroffenen und ihren Angehörigen überlassen. „Die stationäre Rehabilitation verliert so oft ihre Wirkung, die Patienten landen in einer Dauerbetreuung, die langfristig viele Mittel bindet, oder in Pflegeheimen, die keine adäquate Betreuung bieten können“, betont Brucker. Pflegende Angehörige dieser Menschen sind ebenso stark belastet und dann oft selbst von Krankheit betroffen.

Innovativer Lösungsansatz

Als Lösungsansatz wurde von Brucker für Oberösterreich ein Konzept erarbeitet, das stationäre und mobile Elemente kombiniert. Ein Pilotprojekt soll mit „Assista“ umgesetzt werden, einer Organisation, die seit vielen Jahren Erfahrungen in der Begleitung von Menschen mit Behinderung hat. Im Konzept ist die Bildung eines Rehabilitationsteams vorgesehen, dessen Mitglieder aus den verschiedenen therapeutischen, medizinischen, psychologischen und sozialpädagogischen Richtungen kommen: also unter anderem Ergo- und Physiotherapie, Logopädie, Psychologie, Sozialarbeit, Pflege, Sport- und Psychotherapie. Die Therapien sollen in Einzel- und Gruppenarbeit umgesetzt werden. „Medizinische und soziale Rehabilitation werden zusammengeführt und als gemeinsamer Prozess betrachtet, der Ablauf der Rehabilitation wird gemeinsam mit Betroffenen und Angehörigen genau geplant und schrittweise umgesetzt“, ergänzt Brucker. Ein wichtiges Element ist dabei die Einbindung des Lebensumfelds des Patienten. Dazu gehört auch eine möglichst frühe Anbindung an das soziale Umfeld und den Arbeitsplatz vor dem Unfall. Ein zentrales Element im Konzept ist das tagesklinische Angebot, in dem vor allem auch mit Ergotherapeuten ein Training der Aktivitäten des täglichen Lebens läuft. Weitere Elemente sind unter anderem die Beschäftigungstherapie, die Vorbereitung der beruflichen Rehabilitation und das Training zur selbstständigen Freizeitgestaltung.
Mit Informationen versorgt werden nicht nur Angehörige, sondern auch Betreuungspersonal, Hausarzt, Arbeitgeber usw. Um dies alles zu gewährleisten, ist zudem ein spezifisches Case-Management durch speziell fortgebildete und in der Region verankerte Personen im Konzept festgehalten. „Internationale Erfahrungen zeigen, dass damit die Wirksamkeit der Rehabilitation erhöht und die Gesamtkosten gesenkt werden können“, so Brucker.

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 29/2004

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben