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Neurologie 30. Juni 2005

Lyse auch sechs Stunden nach Apoplexie möglich

Mannheim. Bei Schlaganfallpatienten kann eine Lysebehandlung auch außerhalb des traditionellen Dreistundenfensters effektiv sein.

Die Auswahl der Patienten, die für eine Lyse in Frage kommen, geschieht im MRT mittels einer so genannten Diffusions-Perfusionsmessung, bei der nach dem Schlaganfall schlecht durchblutete Areale und Areale mit nachweisbarer Gewebeschädigung getrennt voneinander abgebildet werden. Ist das Gebiet mit einem Perfusionsdefizit wenigstens zwanzig Prozent größer als jenes mit einer Diffusionsstörung, wird davon ausgegangen, dass eine Lyse unabhängig vom Zeitfenster nützlich sein kann, um das mangelhaft durchblutete Gewebe vor dem Untergang zu bewahren.
Dr. Götz Thomalla von der Abteilung für Neurologie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf präsentierte bei der Europäischen Schlaganfall-Konferenz in Mannheim retrospektiv erhobene Daten von 79 Schlaganfallpatienten aus der Hamburger-MRT-Lyse-Studie (HAMLET), bei denen in den vergangenen drei Jahren nach diesem Protokoll vorgegangen wurde. Bei 34 davon war der Schlaganfall zum Zeitpunkt der Lyse mehr als drei bis maximal sechs Stunden her. „Im 90-Tage-Follow-up schnitten die Patienten mit später Lyse dabei genauso gut ab wie die Patienten, bei denen innerhalb der ersten drei Stunden lysiert wurde", so Thomalla in Mannheim. Insbesondere die Zahl schwerer oder symptomatischer Blutungen habe sich in beiden Gruppen nicht voneinander unterschieden.
Die wachsende Gefahr von Einblutungen ins Gehirn war bisher der Hauptgrund dafür, warum eine späte Lyse in allen großen Lyse-Studien keinen Zusatznutzen gebracht hat. In keiner dieser Studien waren die Patienten allerdings mit Hilfe einer MR-Untersuchung ausgewählt worden. Man warte deswegen jetzt mit Spannung auf die Ergebnisse zweier großer, randomisierter Studien zur MR-basierten Lyse, die in nächster Zeit abgeschlossen werden, so Thomalla.

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