zur Navigation zum Inhalt
 
Neurologie 30. Juni 2005

Die Neurologie des Morbus Fabry

Beim M. Fabry kommt es entweder zu einer verminderten Bildung oder einem völligen Fehlen des lysosomalen Enzyms alpha-Galaktosidase (alpha-GAL), welches für den Abbau von Glykosphingolipiden verantwortlich ist. Letztere lagern sich dadurch vor allem in vaskulären Endothelzellen, aber auch in glatten Muskelzellen, Leukozyten, Fibrozyten, Nervenzellen sowie Zellen von Nieren und Herz ab.

M. Fabry ist eine X-chromosomal vererbte progressiv verlaufende Erkrankung mit einer Inzidenz von 1 : 40.000. Durch Einlagerung der nicht abgebauten Lipide in die verschiedensten Zellen und die dadurch entstehenden Organschäden kommt es zum Auftreten der entsprechenden klinischen Symptome. Bei Erstmanifestation im Kindes- und Jugendalter auffällig sind vor allem Akroparästhesien, episodische Fabry-Krisen, Angiokeratome und Augenveränderungen, bei der Erstmanifestation im späteren Jugendalter und Erwachsenenalter eher zerebrovaskuläre oder kardiovaskuläre Störungen oder auch Nierenfunktionseinschränkungen.
Diagnostisch stehen das Erkennen der typischen kutanen oder kornealen Veränderungen im Vordergrund, die Verdachtsdiagnose stellt sich aber auch oft durch die Familienanamnese oder das frühe Auftreten einer neurologischen Erkrankung oder Nierenfunktionsstörung. Beweisend ist letztendlich ein Alpha-Galaktosidase-Nachweis in den Leukozyten oder im Plasma. Bei gesicherter Diagnose eines M. Fabry steht heute als Therapieoption, abgesehen von der symptomatischen Therapie, die Enzymersatztherapie mit einer rekombinanten Form der Alpha Galaktosidase zur Verfügung. Ziel dieser Therapie ist die Wiederherstellung der Enzymaktivität, um das angesammelte Substrat zu hydrolysieren und weiteren Ablagerungen vorzubeugen. Laut vorliegenden Daten lassen sich durch diese Therapie mit großer Wahrscheinlichkeit langfristige Therapieerfolge erzielen.

Neurologische Manifestationen

Im Frühstadium der Erkrankung ist die Beteiligung des ZNS weniger auffällig als bei anderen Speicherkrankheiten. Im Vordergrund steht die Schmerzsymptomatik. Es handelt sich dabei um akut einsetzende, qualvolle Schmerzen, die an den Extremitäten beginnen, meist zum Rumpf wandern und für Minuten bis Tage anhalten können. Diese so genannten Fabry-Krisen können durch Infektionen, Stress, Müdigkeit, körperliche Anstrengung oder auch Wetteränderungen ausgelöst werden. Im Erwachsenenalter können sich diese Krisen reduzieren oder völlig verschwinden, aber es kann auch zu einer Progredienz mit Intensivierung und vermehrter Häufigkeit kommen. Üblicherweise geht der Schmerz mit Fieber und einer erhöhten BSG einher, weswegen oft fälschlicherweise ein rheumatisches Geschehen (rheumatische oder juvenile Arthritis, rheumatisches Fieber) als Ursache angenommen wird. Weitere häufige potenzielle Fehldiagnosen sind eine Erythromeralgie, M. Raynauld, Lupus erythematodes, Neurosen und Multiple Sklerose.
Abgesehen von den Fabry-Krisen, leiden viele Patienten unter intermittierenden Akroparästhesien, die als bohrend, stechend, beißend und brennend, vor allem als Schmerzen an Händen und Füßen beschrieben werden. Diese Symptome können täglich oder in größeren Abständen auftreten, manifestieren sich meist in der frühen Kindheit und bleiben bis ins Erwachsenenalter bestehen. In seltenen Fällen kann es auch zum Auftreten von heftigen abdominellen Schmerzen kommen, wobei hier oft eine Verwechslung mit einer Appendizitis oder Nierenkoliken auftritt. Die zerebrovaskulären Manifestationen des M. Fabry sind sehr vielfältig und reichen vom vorzeitigen Schlaganfall, TIA´s , Schwindel und Benommenheit, Diplopie, Dysarthrie, Nystagmus, Übelkeit, Kopfschmerz und Ataxie bis zur Demenz. In der Magnetresonanztomographie kann man eine diffuse ZNS-Beteiligung in kortikaler und subkortikaler Lokalisation finden. Auch hämorrhagische Schlaganfälle als Folge der Hypertension, verursacht durch Nierenschädigungen, wurden beobachtet. Das Eintreten der zerebrovaskulären Manifestation erfolgt meist zwischen dem 33. (hemizygot) und dem 40. (heterozygot) Lebensjahr. Vor allem junge Patienten mit einem vorzeitigen ischämischen Schlaganfall sollten auf das Vorliegen eines M. Fabry abgeklärt werden.

Quelle: Journal für Neurologie, Neurochirurgie und Psychiatrie 1/2004 (Krause & Parchernegg-Verlag): Haas, Lampl: „Morbus Fabry – Neurologische Klinik und Möglichkeiten der Therapie" (gekürzter Beitrag).

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben