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Neurologie 30. Juni 2005

Es liegt was in der Luft

Das Wetter muss häufig als „Sündenbock“ für Müdigkeit, Kopfschmerz und Migräne herhalten. Letzteres allerdings nicht zu Unrecht, wie auch in Studien belegt werden konnte.

Bis zu 70 Prozent der Kopfschmerzpatienten geben Wetterfühligkeit an. Dabei machen signifikant mehr Frauen als Männer das Wetter für ihre Beschwerden verantwortlich. Wettereinfluss auf Platz zwei Wettereinflüsse nehmen in der Reihe der möglichen Triggerfaktoren für die Auslösung oder Verstärkung der Intensität eines Migräneanfalls einen bedeutenden Platz ein. So werden Sonnenstrahlung und intensives Licht angeführt. Bei Spannungs- und undifferenzierten Kopfschmerzen sind einige Autoren der Meinung, dass der Wettereinfluss sogar noch stärker ist: In einer großen dänischen, nicht selektionierten Population wurden Wetterveränderungen häufiger mit Spannungskopfschmerzen als mit Migräne in Zusammenhang gebracht. Dagegen sprechen allerdings zwei Studien aus Frankreich und Holland. Dort wurde das Wetter von Kopfschmerz- beziehungsweise Spannungskopfschmerzpatienten nur zu 18 beziehungsweise 35 Prozent für die Beschwerden verantwortlich gemacht. Von den Migränepatienten wurden signifikant höhere Häufigkeiten angegeben. In einer Studie mit 2.000 Wetterfühligen erklärte die Abweichung der morgendlichen Lufttemperatur, der relativen Luftfeuchtigkeit und des Luftdrucks vom Mittel des Vortages immerhin 50 Prozent der Varianz der Kopfschmerzhäufigkeit. Andere Untersuchungen konnten jedoch den direkten Zusammenhang mit einzelnen Wetterparametern nicht bestätigen.

Vom Winde verweht

Auch Föhnwetterlagen werden mit Kopfschmerzen assoziiert. So ruft der im bekannt milden und ausgeglichenen Klima von Südkalifornien auftretende warme und trockene Santa-Ana-Wind einen nachgewiesenen Anstieg der Migränehäufigkeit hervor. Hitze, Kälte und Gewitter sind im Zusammenhang mit der sich dabei ändernden Luftelektrizität (so genannte Sferics: niederfrequente elektromagnetische Wellen, die etwa bei Blitzen entstehen) ebenfalls als Einflussfaktoren diskutiert, aber noch nicht definitiv bestätigt worden. Am häufigsten assoziieren Kopfschmerz- und Migränepatienten ihre Beschwerden mit dem Wetterwechsel und mit der nachfolgenden Wetterberuhigung. Migräneattacken treten am häufigsten in den Jahreszeiten mit den stärksten Wetterwechseln, also Frühjahr und Herbst, auf. Im Sommer und Winter überwiegen die stabileren Wetterlagen, die Migränehäufigkeit ist geringer. „Überstrahlte Hochdrucklagen” und andere labile Wetterlagen sind signifikant mit einem vermehrten Auftreten von Kopfschmerzen verbunden.
Neuere Untersuchungen machen eine besondere Empfindlichkeit gegen Sferics für die Migräneentstehung verantwortlich. Die Pathophysiologie der Migräne ist ebenfalls noch nicht abschließend geklärt. Neueste Modelle integrieren neurogene und vaskuläre Schmerzursachen in ihr Konzept. Es wird diskutiert, dass die vasomotorische Kontrolle von Migränepatienten gestört ist und sie direkt und überschießend auf thermische Reize reagieren. Über die Vasomotorik könnten außerdem periphere Serotoninrezeptoren, die auch an Arterien und Venen der Hände nachgewiesen wurden, stimuliert werden.

Therapie und Prophylaxe

Die symptomatische, medikamentöse Therapie ist fixer Bestandteil in der Akutbehandlung der Migräne. In der Prophylaxe kommt dem achtsamen Umgang mit einem regelmäßigen Wach-Schlaf-Rhythmus und einer regelmäßigen Nahrungsaufnahme besondere Bedeutung zu. Zusätzlich spielen diverse Entspannungsverfahren nach wie vor eine gewichtige Rolle. Auch Thermoregulationstraining („Kneippen“) wird empfohlen.

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