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Neurologie 3. April 2006

Auch leichtes SHT verursacht Spätschäden

Neurologen warnen vor leichten Schädel-Hirn-Traumen (SHT) im Sport. Boxer oder Kopfball-Spezialisten im Fußball sind besonders gefährdet.

Zwar gehen mehr als 90 Prozent der SHT im Sport ohne Bewusstseinsstörungen einher, aber wenn sich leichte SHT wiederholen, sind Spätschäden zu befürchten. Leichte Schädel-Hirn-Traumen sind oft schwierig zu erkennen. Frühzeichen sind Kopfschmerzen, Schwindel, Aufmerksamkeits- und Denkstörungen sowie Übelkeit und Erbrechen. Wenn Tage bis Wochen nach dem Ereignis immer noch Kopfschmerzen oder andere Symptome bestehen, etwa Benommenheit, Reizbarkeit, Licht- und Lärmempfindlichkeit, Schlaf- und Stimmungsstörungen, liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma vor Zur Diagnostik am Spielfeldrand hat die American Academy of Neurology (AAN) eine standardisierte Untersuchung für Nichtärzte entwickelt. Sie beinhaltet Fragen nach:

  • Orientierung (Zeit, Ort, Situation)
  • Gedächtnis: Wiederholung von fünf Wörtern in drei Durchgängen
  • Konzentration: rückwärts Aufsagen von drei bis sechs Zahlenreihen sowie der Monate. Hinzu kommen:
  • eine orientierende Untersuchung auf Gefühls- und Koordinationsstörungen sowie eine Kraftprüfung
  • Belastungstests wie Sprints oder Kniebeugen mit Beachtung assoziierter neurologischer Symptome
  • erneutes Abfragen der Wörter vom ersten Teil des Tests.

Ärzte sollten besonders auf die Untersuchung der Hirnnerven Wert legen und dabei vor allem auf den Geruchssinn. Durch die Beschleunigung des Gehirns können die Riechnerven (Fila olfactorii) verletzt worden sein (Akt Neurol 30, 2003, 519). Etwa jeder zehnte Betroffene mit einem SHT bei einer sportlichen Aktivität entwickelt ein chronisches posttraumatisches Syndrom mit Kopf- und Nackenschmerzen, Schwindel und neuropsychologischen Defiziten. Sind bei dem Ereignis kurzfristige Bewusstseinsstörungen aufgetreten, sollte die Sporttauglichkeit frühestens dann attestiert werden, wenn der Sportler eine Woche symptomfrei ist. Beim zweiten Schädel-Hirn-Trauma verlängert sich das Sportverbot auf mehrere Wochen. Nach Bewusstlosigkeit sind ein CCT oder eine MRT indiziert.
Bei wiederholten Schädel-Hirn-Traumen können die Schädigungen des Gehirns kumulieren, besonders wenn sich die Symptome des ersten Schädel-Hirn-Traumas noch nicht vollständig zurückgebildet haben. Beeinträchtigt sind dann erfahrungsgemäß die Kognition, das Gedächtnis sowie visuelle, motorische und sensorische Leistungen. Die Schädigungen, die durch ein SHT entstehen, ähneln denen der Alzheimer-Demenz.

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