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Neurologie 10. April 2014

Fehlende „Bremse“ im Gehirn

ForscherInnen der MedUni Wien haben eine mögliche Erklärung gefunden, wie Sozialphobien und Angst im Gehirn ausgelöst werden können.

▬▬Angst in der richtigen Dosis kann die Wachsamkeit erhöhen und vor Gefahren schützen. Unangemessene Angst dagegen kann die Sinneswahrnehmung stören, kann lähmend wirken, die Freude am Leben nehmen und damit selbst zur Gefahr werden. Angststörungen sind daher eine nicht zu unterschätzende psychiatrische Erkrankung. ForscherInnen der MedUni Wien haben nun eine mögliche Erklärung gefunden, wie Sozialphobien und Angst im Gehirn ausgelöst werden können, nämlich durch eine fehlende hemmende Verbindung, quasi eine fehlende „Bremse“ im Gehirn. Amygdala und der orbitofrontale Kortex im Stirnlappen bilden einen wichtigen Regelkreis, um Gefühlszustände zu regulieren. Dieser Regelkreis ist sozusagen das Emotionskontrollzentrum im Gehirn. Während bei gesunden ProbandInnen in diesem Kreislauf eine „negative Rückkopplung“ und damit eine „Beruhigung“ identifiziert wurde, konnten die WissenschafterInnen bei SozialphobikerInnen mit Hilfe der funktionellen Magnetresonanz-Tomographie (fMRT) das Gegenteil nachweisen: Eine wichtige, hemmende Verbindung ist bei diesen PatientInnen verändert, was erklären könnte, warum sie nicht in der Lage sind, ihre Angst zu kontrollieren. In Zusammenarbeit des Zentrums für Medizinische Physik und Biomedizinische Technik und der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der MedUni Wien konnten die ForscherInnen unter der Leitung von Christian Windischberger in einer aktuellen Studie am Exzellenzzentrum Hochfeld-MR der MedUni Wien auch herausfinden, auf welche Weise sich die Gehirnbereiche, die an der Emotionsverarbeitung beteiligt sind, gegenseitig beeinflussen [1]. Den Studienteilnehmern wurde eine Reihe von „emotionalen Gesichtern“ gezeigt, während sie sich der fMRT unterzogen. Mit der Einblendung der emotionalen Gesichtsausdrücke - von Lachen bis Weinen, von Zufriedenheit bis Zorn - wurde die neuronale Aktivität im Gehirn angestoßen. Das Ergebnis: Rein äußerlich war den ProbandInnen zwar nichts anzumerken, aber bei die gesunden ProbandInnen wurden durch die automatische „Bremse“ im Kopf trotz der Emotionalität der Bilder beruhigt, bei den SozialphobikerInnen aber sorgten die Fotos für einen „Turbo“ und eine sehr starke neuronale Aktivität. Durch das damit gewonnene, bessere Verständnis der beteiligten neuronalen Mechanismen sollen nun neue Ansätze für Therapiemöglichkeiten gefunden werden. Es gilt zu klären, welchen Einfluss Medikamente und psychotherapeutische Betreuung auf die beteiligten Netzwerke haben, um die PatientInnen dabei unterstützen zu können, die Kreisläufe der Angst zu durchbrechen.

Quelle: OTS/MedUni Wien 1 Sladky R et al.: Cereb Cortex. 2013 Oct 9. [Epub ahead of print]

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