zur Navigation zum Inhalt
 
Neurologie 5. April 2006

Power und Speed in der Neurodiagnostik

Seit Einführung der Röntgen-Computertomographie vor etwa 30 Jahren und des Nuclear Magnetic Resonance Verfahrens vor etwa 20 Jahren haben sich diese bildgebenden Modalitäten im klinischen Einsatz zu den wichtigsten Techniken in der morphologischen Diagnostik des Zentralnervensystems entwickelt.

Beide Verfahren zeichnen sich nach wie vor durch ein extrem hohes Potenzial sowohl für die biomedizinische Forschung in den Neurowissenschaften wie auch für den Einsatz in Praxis und Klinik aus.

MRT auf dem Weg zu höheren Feldstärken: Power

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt gelten 1,5-Tesla-Systeme als guter klinischer Standard für praktisch alle morphologischen Veränderungen am Gehirn und Rückenmark. Magnetsysteme von 3-Tesla standen seit einigen Jahren im Forschungsbereich im Einsatz und sind mittlerweile technisch so weit ausgereift, dass ihr Einsatz im klinischen Alltag bevorsteht.
Die inhärenten Vorteile von Magnetsystemen mit höheren Feldstärken (über 1.5 Tesla) sind eine um den Faktor 2 bessere Bildqualität, höhere räumliche und zeitliche Auflösung, kürzere Scanzeiten sowie allgemein eine Verbesserung der Ergebnisse in der MR-Angiographie (MRA), der In-vivo-Spektroskopie des Gehirns (MRS) sowie der funktionellen Bildgebung zur Darstellung funktionell stimulierter Hirnareale.
Man kann davon ausgehen, dass durch den kombinierten Einsatz morphologischer, metabolischer und vaskulärer Techniken in der Primärdiagnostik und im Follow-up von Hirntumoren, in der prä-operativen Epilepsie-Diagnostik, in der Darstellung von Hirngefäßen (mit und ohne Kontrastmittel) sowie neuerdings auch in Fragen der biologischen Psychiatrie und Neuropsychologie bessere klinische Ergebnisse zu erzielen sind.

CT auf Beschleunigungskurs: Speed

Die technische Entwicklung der Multislice-Spiral-CT-Technologie (bis zu 16-Zeilen pro Rotation) ermöglicht neuerdings eine umfassende Abklärung von akuten Schlaganfällen in einem Zeitraum von weniger als 15 Minuten. Dabei werden sowohl Daten für die konventionelle Bildgebung, für die Berechnung wichtiger hirnphysiologischer Durchblutungsparameter (Perfusionszeit, Transitzeit, Time-to-Peak) inklusive einer MIP-Rekonstruktion der großen (intra- und extrakraniellen) Gefäßachse gewonnen. Multislice-CT und 3-Tesla MR-Imaging stellen somit einen dramatischen Fortschritt in der komplexen morphologischen, metabolischen, funktionellen und vaskulären (einschließlich Perfusions- und Diffusionsparameter) Diagnostik am Zentralnervensystem dar.
Die Hochfeld-MRT kann ganz allgemein als die primäre Untersuchungsmodalität am Gehirn angesehen werden. Die Computertomographie behält weiterhin ihren primären Stellenwert in der Diagnostik der akuten Hirnblutung (besonders der Subarachnoidalblutung) und zum Nachweis kleiner Aneurysmen (unter 5 mm).
Durch die Multislice-Spiral-Technik stellt die Computertomographie im Vergleich zur Perfusions- und Diffusions-MRT das robustere Verfahren in der Akutabklärung von Schlaganfällen dar. Alle übrigen Indikationen am Zentralnervensystem werden zunehmend zu einer Domäne der Hochfeld-MRT.

Prof. Dr. Franz Ebner, Ärzte Woche 5/2005

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben