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Neurologie 5. April 2006

Wenn Schlafende um sich schlagen

Wenn sich während der REM-Phase nicht nur die Augenmuskeln bewegen, dann handelt es sich sehr wahrscheinlich um eine der Bewegungsstörungen des Schlafes mit noch unklaren Ursachen. Eine gesicherte Diagnose kann mittels Polysomnografie und Videometrie gestellt werden. Im Gegensatz dazu sind Patienten mit Restless Legs Syndrom bei vollem Bewusstsein.

Ein Patient erzählt, dass er nach dem Aufwachen Gegenstände in seinem Schlafzimmer verstreut vorfindet oder während der "Nachtruhe" sich oder seinen Partner verletzt, ohne sich an das Geschehen erinnern zu können... das könnten anamnestische Hinweise für eine REM-Schlafverhaltungsstörung sein, die zu den Schlaf-Bewegungsstörungen gezählt wird. In weiterer Folge sollte der Patient an ein Schlaflabor zur Polysomnografie überwiesen werden.
Während beim Gesunden in der REM-Phase, dem Traumstadium des Schlafes, eine Bewegungsunfähigkeit (ausgenommen der Augenmuskulatur) aufgrund einer physiologischen Muskelatonie herrscht, liegt bei dieser Schlafverhaltensstörung eine Muskelaktivierung mit gesteigertem Tonus vor. Es kommt zu lebhaften, teilweise beängstigenden Träumen, die der Patient "wild um sich schlagend" auslebt.
Der Patient vollführt während des Schlafes exzessive, für sich oder den neben ihm Liegenden bedrohliche Bewegungen. Dabei beträgt die Verletzungsrate immerhin 80 Prozent.
Hauptcharakteristika sind, dass Betroffene nicht erwachen und sich an die "nächtlichen Exzesse" auch nicht erinnern können. Derzeit sind etwa 350 Fälle in der Literatur dokumentiert, wobei die Zahl der Betroffenen wohl wesentlich höher liegt, meint der Schlafforscher Prof. Dr. Wolfgang Oertel von der neurologischen Klinik Marburg. Die Diagnose werde aufgrund unzureichender Anamneseerhebung häufig nicht oder erst nach Jahren gestellt. Zumeist liegt der Schwerpunkt der Erkrankungen mit 87 Prozent auf männlicher Seite.

Pathophysiologie unklar

Die pathophysiologische Ursache ist nicht gänzlich geklärt. Es scheint sich um eine neurodegenerative Erkrankung des dopaminergen Systems zu handeln, die sowohl ein eigenständiges Krankheitsbild als auch ein Symptom eines Krankheitskomplexes darstellen kann.
So findet man gehäuft die REM-Schlafverhaltensstörung bei an Parkinson, Alzheimer Demenz oder multipler Systematrophie erkrankten Patienten sowie nach posttraumatischem Stresssyndrom oder nach der Einnahme von Antidepressiva und chronischem Alkohol- und Substanzmissbrauch. Die Schlafbewegungsstörung kann aber auch das erste Symptom einer demenziellen Hirnerkrankung sein. Eine eindeutige Diagnose kann durch die Polysomnografie mit Videometrie gestellt werden, bei der eine exzessive Muskeltonuserhöhung der Extremitäten oder des Gesamtkörpers mit Bewegungen während der REM-Phase aufgezeichnet wird. Sind nur reine Zuckungen darstellbar, so handelt es sich um eine subklinische Schlafverhaltensstörung. Die Therapiemöglichkeiten begrenzen sich derzeit auf die Gabe von Clonazepam beziehungsweise
Melatonin, dessen Wirkung auf die Bewegungsstörung leider erst in
wenigen Studien beschrieben wurde.

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