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Neurologie 30. Juni 2005

Neue Therapien beim Restless Legs Syndrom

Das auch in Ärztekreisen oft unterschätzte Restless-Legs-Syndrom (RLS) tritt mit einer Prävalenz von zirka zwei bis zehn Prozent auf. Die Patienten verspüren vorwiegend am Abend und in der Nacht (vor allem mitternachts) Symptome wie Kribbelparästhesien, Ziehen, Stechen und starke Schmerzen, die einen Bewegungsdrang der (unteren) Extremitäten auslösen, um die Beschwerden ein wenig zu lindern. 

Eine Befragung von Dr. Richard Allen, Johns Hopkins University in Baltimore, zeigte, dass RLS durch die Verminderung der Schlafqualität und -quantität schwere Konzentrationsmängel hervorruft und somit die Betroffenen einschneidende Einbußen ihrer Lebensqualität hinnehmen müssen. Dr. Paolo Barone von der Universität Federico II aus Neapel: "Auch bei 70 Prozent der Parkinsonpatienten führen diese Symptome zu Unterbrechungen der Nachtruhe und somit zu Störungen verschiedener Schlafphasen und des Rapid-Eye-Movement (REM)-Schlafes." 

Das sekundäre RLS

Laut Dr. Diego Garcìa-Borreguero von der Universidad Autònoma de Madrid sollte zunächst einem möglichen Grund des RLS nachgegangen werden, obwohl die Ursache in den meisten Fällen unbekannt bleibt. Bekannt ist, dass bei Eisenmangelanämien ein RLS auftreten und durch eine einfache Eisentherapie behandelt werden kann. "Ein Differenzialblutbild sowie die Bestimmung von Eisen, Ferritin und Transferrin sind daher unerlässlich. Nierenwerte wie Kreatinin und Harnstoff sollten desgleichen im Auge behalten werden, da bei beginnender Urämie das RLS ebenso auftreten kann. Auch Schwangerschaften und pharmakologische Ursachen kommen infrage."  Trotzdem bleiben etwa 60-80 Prozent der Fälle idiopathisch beziehungsweise sind familiär (autosomal-dominant vererbt) gehäuft. 

Garcìa-Borreguero beschrieb die vier minimalen Diagnosekriterien, die beim RLS in jedem Fall erfüllt sein müssen:

  • Missempfindungen in den Extremitäten (meistens in den Beinen)
  • Motorische Unruhe verbunden mit Bewegungsdrang, um sich Erleichterung zu verschaffen. 
  • Durch Aktivität lassen sich die Schmerzen kurzfristig reduzieren und verschlimmern sich bei Ruhe. 
  • Die Symptome werden gegen Abend schlimmer.

Dr. Karin Stiasny-Kolster von der Philipps Universität in Marburg stellte kontrollierte Studien vor, die beweisen sollen, dass eine Therapie mit Dopamin-Agonisten die motorischen Funktionen beim idiopathischen Morbus Parkinson verbessern können. Für diese Patienten führte in den vergangenen Jahren kein Weg an der Levodopa-Therapie vorbei. Stiasny zählte die bekannten Probleme mit dem Präparat auf, dazu zählen zum Besipiel Dyskinesien und Halluzinationen.

Fast 80 Prozent der Patienten, die Levodopa einnehmen, müssen mit einer Augmentation rechnen. Dies heißt, dass die Beschwerdeintensität zunimmt, sich auf bislang nicht betroffene Körperregionen ausweitet und eine zunächst wirksame Behandlung nicht mehr greift. Der langwirksame Dopamin-Agonist Cabergolin kann diese Probleme, laut Stiasny, überwinden. Dazu präsentierte sie eine placebokontrollierte, multizentrische Studie an 84 Patienten mit mittelgradigen bis schweren RLS. 

Über 40 Prozent der mit 2 mg Cabergolin behandelten Patienten waren bereits nach fünf Wochen symptomfrei. Am besten bewährte sich eine Tagesdosis von 2 mg, die nachmittags verabreicht wurde. Cabergolin wurde im Allgemeinen gut vertragen (es schieden nur vier Patienten wegen Nebenwirkungen aus der Studie aus). Nun wird eine Auswertung der langfristigen Daten bezüglich einer allfälligen Augmentation erwartet. 

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