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Neurologie 30. Juni 2005

Modifikation chronischer Neurodegeneration

Der Wirkstoff Galantamine steht bei der Behandlung der Alzheimer?chen Krankheit heute schon weltweit im Routineeinsatz. Forschungsarbeiten zufolge handelt es sich dabei um Substanzen, die nicht nur vorrangig neuroprotektiv wirken, sondern auch das Absterben von Hirnzellen aufhalten. Sie sind bei Demenzen ebenso einsetzbar wie bei anderen neurodegenerativen Erkrankungen - etwa bei Parkinson, nach Schlaganfällen und Schädelverletzungen sowie schweren Epilepsieformen.

Bei einem von der Firma Sanochemia organisierten Satellitensymposium "Pharmacotherapy of Chronic Neurodegeneration: Updates and Perspectives" im Rahmen des Kongresses der European Federation of Neurological Societies (EFNS) in Wien diskutierten Experten unter anderem über Ursachen und Behandlung von neurodegenerativen Erkrankungen.

Antidementiva unzureichend genützt

Das Potenzial der in Österreich zugelassenen Antidementiva ist hoch. Es wird jedoch nur unzureichend genützt. "Unser Krankenversicherungssystem berücksichtigt nicht, dass Cholinesterase-Hemmer in den frühen Phasen der Erkrankung besonders wirksam sind", stellte dazu Dr. Eberhard Pirich, Forschungsleiter der Sanochemia Pharmazeutika AG, fest. "Patienten in diesen Frühphasen suchen zuerst den Allgemeinmediziner auf. Die richtigen Medikamente verschreiben darf aber derzeit ausschließlich der Neurologe und Psychiater, dem diese Patienten meist erst in einem viel späteren Stadium vorgestellt werden. Das Ziel müsste also sein, dem niedergelassenen Arzt für Allgemeinmedizin die Verschreibung dieser Präparate zu ermöglichen."

Rechtzeitiger Einsatz

Der fehlende, zu späte oder falsche Einsatz der Cholinesterase-Hemmer ist umso bedauerlicher, als diese Substanzgruppe

  • nach allen Kriterien der "Evidence-Based Medicine" ausgezeichnet dokumentiert ist.
         
  • den weltweit anerkannten Goldstandard zur Behandlung der Alzheimer?chen Krankheit darstellt
         
  • nachgewiesenermaßen auch bei vaskulär-degenerativen Mischformen von Demenzen Hilfe bringen kann und damit bei fast 80 Prozent aller Demenzen sinnvoll angewandt werden kann.

Prof. Ezio Giacobini, Universität Genf, der im Sommer 2002 von der internationalen Alzheimer-Gesellschaft für sein Lebenswerk ausgezeichnet wurde, berichtete über Modifikationen der Neurodegeneration durch Cholinesterase-Inhibitoren (ChEI). "Daten von randomisierten Placebo-kontrollierten Studien über 12 Monate und offene Studien über 24 Monate haben gezeigt, dass durch Therapie mit Cholinesterase-Hemmer eine Langzeit-Stabilisierung kognitiver und globaler Fähigkeiten bei vielen Alzheimer-Patienten erreicht werden kann? so Giacobini. Die Frage, die geklärt werden muss: Handelt es sich hierbei um eine Verzögerung der Krankheits-Progression oder eine Rückbildung kognitiver Störungen?

Daten von experimentellen In-vitro- und In-vivo-Untersuchungen zeigten, dass einige Cholinesterase-Hemmer die Freisetzung von nicht-amyloidogenen löslichen Derivaten des Amyloid-Vorläuferproteins (Amyloid Precursor Protein = APP) steigern und A-beta1-42 sowie A-beta Proteine in Neuronen von normalen und transgenen Tiermodellen reduzieren. Giacobini: "Der Zusammenhang zwischen cholinerger Aktivität und dem Amyloidstoffwechsel, im Sinne einer gesteigerten Amyloidbildung durch reduzierte cholinerge neuronale Übertragung, konnte dargestellt werden. Zusätzlich wurden zwei Cholsterinesterase-unabhängige anti-amyloidogene Mechanismen der Cholinesterase-Hemmer beschrieben.?nbsp;

Diese Effekte lassen vermuten, dass eine Langzeit-Therapie mit ChEI durch Einflussnahme auf die pathologische Bildung von beta-Amyloid die Verzögerung der Erkrankung stabilisieren kann. 

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