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Neurologie 30. Juni 2005

Früher Therapiebeginn und Langzeitwirkung

Ursprünglich war die klinische Diagnose Multiple Sklerose (MS) erst anhand wiederholter Episoden zentralnervöser Symptome unter Ausschluss einer Reihe von differenzialdiagnostischen Faktoren möglich. "Heute erlaubt die Magnetresonanztomographie (MRT) bereits wesentlich früher den Nachweis klinisch unauffälliger Läsionen und aktiver Inflammationen", betonte Prof. Dr. Franz Fazekas, Univ.-Klinik für Neurologie, Graz, auf einem Biogen Satellitensymposium am 6. EFNS-Kongress Ende Oktober 2002 in Wien.

Die Früherkennung von MS anhand klinisch isolierter Symptome (CIS) sowie charakteristischer Veränderungen im MRT ermöglicht wiederum eine Therapie bereits im Frühstadium der MS. Durch die CHAMPS-Studie (Controlled High Risk Avonex Multiple Sclerosis Study) ist dokumentiert, dass Interferon beta-1a (Avonex®) das Auftreten weiterer neurologischer Symptome verzögern kann. Nach dreijähriger Beobachtungsdauer lag die Wahrscheinlichkeit für eine gesicherte MS in der Avonex®-Gruppe bei 35 Prozent, in der Placebo-Gruppe hingegen bei 50 Prozent. Das entspricht einer Risikoreduktion um 44 Prozent.

Hochrisiko-Subgruppe

Zusätzlich wurde der Nutzen von Avonex® in einer Hochrisiko-Subgruppe der CHAMPS Studie untersucht. Diese Population (91 Patienten, das sind 24 Prozent der ursprünglich 383 CHAMPS-Studienteilnehmer) wies im MRT eine hohe Zahl von Läsionen sowie Inflammationsherde auf.  51 Patienten erhielten einmal wöchentlich 30 µg Avonex® i.m., 40 bekamen Placebo. Laut Kaplan-Meier-Schätzung lag nach zwei Jahren das kumulative Risiko, CDMS (klinisch manifeste MS) zu entwickeln, in der Avonex®-Gruppe bei 21 Prozent, in der Placebo-Gruppe hingegen bei 56 Prozent. Das Gesamtrisiko für CDMS wurde in dieser Subgruppe - verglichen mit Placebo - unter Avonex® um 66 Prozent reduziert (p=0.002). 

Fazit: Die positiven Effekte von Avonex® auf die Senkung des CDMS-Risikos wirken bei Hochrisikopatienten um 50 Prozent stärker als in der ursprünglichen CHAMPS-Kohorte. Avonex® ist damit die erste Substanz, deren Wirksamkeit bereits nach einem einzelnen demyelinisierenden Ereignis mit einem abnormen MRT nachgewiesen ist.

Prof. Per Sölberg Sørensen, Righospitalet, Copenhagen University, Denmark: "Eine vierjährige europäische Dosisvergleichsstudie mit über 600 MS-Patienten zeigte, dass 30 µg Avonex® i.m. einmal wöchentlich die größten Vorteile bringt, und bestätigte den Langzeiteffekt dieser Substanz." Das dänische Interferon-beta-Projekt untersuchte die Immunogenität der drei kommerziell verfügbaren Interferon-beta-Präparate (Avonex®, Rebif® und Betaferon®). Der Entwicklung von neutralisierenden Antikörpern (NABs) wird ein möglicherweise limitierender Einfluss auf eine Langzeitwirkung von Interferon-beta eingeräumt. 

Die Diskussionen verliefen kontroversiell, die diversen Nachweismethoden lieferten keinen eindeutigen Vergleich. Nun wurden mittels einheitlicher Methodik über einen Zeitraum von bis zu fünf Jahren ab Therapiebeginn verblindet die NAB-Raten ermittelt. Fazit: Von den drei Interferon-beta-Präparaten wurden die niedrigsten Werte unter 30 µg Avonex® einmal wöchentlich festgestellt. 

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