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Neurologie 30. Juni 2005

Die Highlights vom 6. EFNS-Kongress in Wien

Zehn Jahre nach ihrer Gründung kam die EFNS, die European Federation of Neurological Societies, zurück nach Wien, um ihre nun schon traditionelle Jahrestagung mit einem umfangreichen Programm abzuhalten. Neun Hauptthemen beschäftigten sich schwerpunktmäßig mit den wichtigsten neurologischen Krankheitsbildern. Wesentliches Ziel des 6. Kongresses der EFNS war, die Grundlagenforschung, die Basis neuer Therapiekonzepte, auf dem Gebiet der Neurowissenschaften weiter zu fördern. 
Nur wenn die molekularbiologischen Grundlagen besser verstanden werden, kann eine rechtzeitige zielgerichtete Intervention stattfinden. In weiterer Folge muss die Zusammenarbeit zwischen der Grundlagenforschung und den klinisch tätigen Neurologen forciert und optimiert werden. 

Genetik und Molekularbiologie

Allerdings kann es lange dauern, bis die Patienten von den Erkenntnissen tatsächlich profitieren. Ein Beispiel sind vererbbare neurologische Erkrankungen, deren genetische und molekularbiologische Ursachen zu einem großen Teil schon bekannt sind, die Heilungsmöglichkeiten aber bislang und auch in naher Zukunft nicht erfolgsversprechend sind. Prof. Dr. Wolf-Dieter Heiss, der Präsident der EFNS: "Auch die Stammzellentherapie, bei vielen neurologischen Erkrankungen der Hoffnungsträger schlechthin, wird in den nächsten fünf bis zehn Jahren kaum einen breiten klinischen Nutzen bringen."

Hingegen gibt es eine Reihe von Erkrankungen, bei denen Diagnose, Therapie und somit auch Prognose in den vergangenen Jahren entscheidend verbessert werden konnten. Als Beispiel ist der Schlaganfall zu nennen, eine der häufigsten Ursachen für eine Behinderung im Erwachsenenalter. Dank intensiver Grundlagenforschung ist es gelungen, die therapeutischen Methoden und somit die Prognose entscheidend zu verbessern. Heute ist bekannt, dass der Faktor Zeit bei Schlaganfallpatienten entscheidend ist, dass Patienten innerhalb des therapeutischen Fensters von etwa drei Stunden nach Einsetzen der Symptome einem Spezialzentrum, der Stroke unit, zugeführt und behandelt werden müssen, was zu einer deutlichen Reduktion der Mortalität und Morbidität führt.

Neuronale Plastizität

Weiterer Schwerpunkt des Kongresses waren Vorträge, die sich mit dem Schicksal zerstörter Nervenzellen, mit neuronaler Plastizität und mit der Reaktivierung verschiedener neuronaler Strukturen beschäftigen. Das Wissen um diese hochkomplexen Funktionseinheiten ist eine wichtige Voraussetzung, um Patienten mit Lähmungen oder anderen neurologischen Ausfällen wie zum Beispiel Aphasien zu helfen. Auch auf dem Gebiet der Neuroonkologie gibt es viele spannende Erkenntnisse. Neue Verfahrenstechniken ermöglichen die verbesserte Darstellung von Gehirntumoren und der umliegenden Strukturen. Heiss: "Erste Fallstudien haben gezeigt, dass wir den Therapieverlauf bei bestimmten Gehirntumoren besser verfolgen und korrigierend eingreifen können."

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