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Neurologie 30. Juni 2005

Ausnahme unter Antipsychotika

Die Wahrscheinlichkeit, Diabetes zu entwickeln, liegt bei Personen, die an Schizophrenie leiden, bis zu viermal höher als in der Gesamtbevölkerung. Verschiedenen Meldungen zufolge scheinen einige Antipsychotika die Entwicklung eines Typ II Diabetes zu induzieren beziehungsweise die Exazerbation eines solchen zu fördern.

Insgesamt 7.933 Patienten

Als Ursache werden Mechanismen, die durch atypische Antipsychotika hervorgerufen werden, vermutet, wie Gewichtszunahme oder der 5-HT 1A Rezeptor-Antagonismus. Die Beweismittel hierfür sind jedoch noch unschlüssig. Während die Therapie mit konventionellen atypischen Antipsychotika das Risiko für die Entwicklung eines Typ II Diabetes erhöhen kann, besteht diese Gefahr jedoch bei Behandlung mit der Substanz Risperidon nicht. Darauf lassen Daten, die kürzlich im "Journal of Clinical Psychiatry" veröffentlicht wurden, schließen. Henry Nasrallah, MD, Professor für Psychiatrie und Neurologie sowie Interne Medizin an der Universität des Mississippi Medical Center, USA, einer der Studienautoren, betont: "Diabetes ist eine schwere, lebensbedrohliche Erkrankung mit den bekannten Komplikationen, die durch vaskuläre und neuronale Schädigungen verursacht werden. Die Behandlung der Schizophrenie gestaltet sich schon ohne die Zusatzdiagnose Diabetes schwierig genug." 

Für die vorliegende Studie wurden Daten aus Ansprüchen medizinischer Leistungen und Verschreibungen zweier U.S. Krankenversicherungen herangezogen, die 2,5 Millionen Personen umfassten. Daten von insgesamt 7.933 Patienten mit psychotischen Störungen wurden im Zeitraum von Jänner 1996 bis Dezember 1997 analysiert.

Neu diagnostizierter Diabetes

Die Diagnosen umfassten Schizophrenie, bipolare und manische Erkrankungen, schwere Depressionen, Demenz und andere psychotische Störungen. Die Anzahl neu diagnostizierter Diabetes-Fälle unter 4.308 Patienten mit Antipsychotika-Therapie von mindestens 60 Tagen und 3.625 Patienten ohne eine solche Therapie wurden verglichen. Patienten mit vorbestehendem Typ II Diabetes bis zu acht Monaten vor Studienbeginn wurden von der Analyse ausgeschlossen. Die Diagnosestellung Diabetes erfolgte nach ICD-CM-9. 
Die Assoziation neu diagnostizierter Diabetesfälle im vorgegebenen Beobachtungszeitraum von 12 Monaten war bei den mit Risperidon behandelten Personen im Vergleich zu den unbehandelten Personen sogar etwas geringer, wenn auch nicht signifikant (odds ratio 0,88, 95% CI=0,37-2,07).

Risperidon: Signifikant geringeres Diabetes-Risiko

Es zeigte sich jedoch, dass das Diabetes-Risiko für Patienten mit Clozapin-Therapie siebenmal größer war im Vergleich zu jenen ohne Behandlung (odds ratio 7,44, CI=1,60-34,75). Das Risiko war dreimal höher für Personen, die Olanzapin (odds ratio 3,10, CI=1,62-5,93) oder niedrigpotente konventionelle Substanzen wie Chlorpromazin (odds ratio 3,46, CI=1,52-7,79) erhielten, und etwas mehr als doppelt so hoch (odds ratio 2,13, CI=1,10-4,13) für jene, die mit hoch-potenten konventionellen Präparaten, wie Haloperidol, behandelt wurden. Die Wahrscheinlichkeit einer Diabetes-Entwicklung lag unter Behandlung mit Olanzapin, Clozapin und hoch-potenten konventionellen Antipsychotika signifikant höher als unter Risperidon-Therapie (0,05).

"Da die Studie auf Daten von Leistungsansprüchen basiert, ist sie den üblichen Beschränkungen retrospektiver Analysen unterworfen. So ist es beispielsweise nicht möglich, einige Variablen, wie Rassenzugehörigkeit oder Gewichtsveränderungen, welche die Resultate beeinflusst haben könnten, zu prüfen", so Frank Gianfranceso, PhD, führender Studienautor. "Die Ergebnisse dieser Studie sind jenen mehrerer anderer Veröffentlichungen sehr ähnlich und sollten von den praktizierenden Medizinern in die Überlegungen bei Auswahl unter den verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten für ihre Patienten einbezogen werden."

Finanziell unterstützt wurde die Studie von Janssen Pharmaceutica Products, LP, der Herstellerfirma von Risperdal®. Risperdal® ist in mehr als 80 Ländern und in Österreich zur Therapie der Schizophrenie, als add-on Therapie bei bipolaren Störungen, zur Behandlung von Verhaltensstörungen im Alter (BPSD) und bei Anpassungsstörungen / Verhaltensstörungen bei Kindern ab fünf Jahren zugelassen. Weiters ist in Österreich seit wenigen Monaten mit Risperdal Consta® das erste atypische Depotpräparat verfügbar. 

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