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Neurologie 30. Juni 2005

Kopfschmerz-Attacken nach Koitus sind bei Männern nicht selten

Darmstadt. Woran denken Sie bei einem schlagartig einsetzenden starken Kopfschmerz? Sicherlich an eine Subarachnoidalblutung. Setzt ein solcher Schmerz allerdings unmittelbar nach dem Geschlechtsverkehr ein, ist er oft harmlos.

Wie Professor Karl Einhäupl beim Update Neurologie 2001 in Darmstadt berichtet hat, werde Kopfschmerz in Folge einer Subarachnoidalblutung oft als Migräne gedeutet - mitunter ein tödlicher Irrtum.

Deswegen, so der Berliner Neurologe, sei es wichtig zu fragen: Wie hat der Schmerz begonnen? Akut einsetzende apoplektiforme Schmerzen, die beim Bücken oder bei einer anstrengenden Tätigkeit aufgetreten sind, müssen nämlich so lange als Subarachnoidalblutung gelten, bis das Gegenteil bewiesen ist.

Bei solchen Patienten ist zuerst ein CT notwendig. Ist es unauffällig, dann kommt eine Lumbalpunktion in Frage - auf keinen Fall aber umgekehrt, warnte Einhäupl. Eine Lumbalpunktion nach zerebraler Blutung sei keineswegs ungefährlich: Weil der Druck in den Liquorräumen sinkt, kann es zu einer Nachblutung kommen, die bekanntlich sehr viel öfter tödlich ausgeht als die erste Blutung. Während 80 Prozent der Patienten eine erstmalige Subarachnoidalblutung überleben, überstehen eine zweite Blutung nur etwa 10 Prozent.

Unter den Kopfschmerzen, die nach einer Anstrengung schlagartig einsetzen, gebe es auch ziemlich harmlose Varianten, etwa den Postkoitalkopfschmerz, der überwiegend bei Männern vorkommt und gar nicht so selten ist. Streng genommen, so Einhäupl, müsse man auch bei diesen Patienten eine Subarachnoidalblutung ausschließen - notfalls mit einer Angiographie der Zerebralgefäße.

Oft kann man den Patienten die extensive Diagnostik aber doch ersparen. Die meisten genieren sich nämlich anfangs, wegen der Kopfschmerzen nach dem Orgasmus zum Arzt zu gehen, und kommen erst, wenn sie schon etliche postkoitale Attacken erlebt haben. Erfährt man bei gezielter Nachfrage, dass die Schmerzen schon mehrfach aufgetreten sind, dann ist laut Einhäupl die Subarachnoidalblutung ziemlich unwahrscheinlich: "Vier bis fünf aufeinanderfolgende cerebrale Blutungen hätte kaum jemand überlebt!"

Der Neurologe gibt seinen Patienten mit postkoitalem Kopfschmerz Betablocker. Eine Alternative ist ASS, das allerdings eine gewisse Planung erfordert: Es muss eine Stunde vor dem Geschlechtsverkehr genommen werden. Hilft dies alles nicht, dann kann Sumatriptan helfen - das ebenfalls eine Stunde vor dem Koitus eingenommen werden muss.

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