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Neurologie 30. Juni 2005

"Bewegungslernen" medikamentös unterstützen

Bei der Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Neurorehabilitation erörterte Prim. Dr. Stefan Koppi, Leiter der Neurologischen Abteilung am LKH Rankweil, die Frage, inwieweit verschiedene Medikationen "Bewegungslernen?fördern oder behindern können.

Das Bewegungslernen im Rahmen der Neurorehabilitation ist ein hochkomplexer Prozess. Ein ehernes Gesetz dabei ist, dass repetitiv gearbeitet werden muss. Motorische Engramme für automatisierte Bewegungen bauen sich nämlich erst nach ca. 30.000 bis 40.000 Wiederholungen auf. Dies muss durch therapeutische Methoden erst einmal ermöglicht werden.
Medikamente können auf das Bewegungslernen großen Einfluss nehmen. Die Bewertung der Pharmakotherapie ist in diesem Bereich äußerst schwierig, da es dazu kaum geeignete Studien gibt.

Weitere, größere Studien notwendig

Ein hohes Wirkprofil verzeichnen Haloperidol, Sulpirid und Flupenthixol. Eine Erhöhung des Noradrenergika-Pools erfolgt durch Selegilin, Amphetamin, Dopamin und Trizyklische Antidepressiva.
Der pulsatile Mechanismus ist vermutlich der bessere, um das Bewegungslernen zu stimulieren. Selegilin kann laut Sivenius et al. (2001) einen Benefit haben, doch Koppi räumt ein, dass es sich um die einzige Studie zu diesem Thema handelt, die eine halbwegs akzeptable Fallzahl aufweist.
Amphetamin hat zwar mögliche Nebenwirkungen wie Bluthochdruck, Agitation, Abhängigkeit usw., aber es ist dennoch eine sichere Substanz. Laut Datenlage ist es meistens aber nicht ausreichend wirksam und weitere, größere Studien wären in diesem Zusammenhang wünschenswert. L-Dopa hingegen erzielt nachweislich einen anhaltenden Effekt.

Fatigue positiv beinflussen

Auch zu Modafinil konnte Koppi keine konkreten Studien bezüglich Bewegungslernen ausfindig machen. Tatsache ist jedoch, dass beispielsweise bei Schlaganfall- und Schädelhirntraumpatienten die Fatigue (chronisches Müdigkeitssyndrom) mit Modafinil bekämpft werden kann. Durch die Beseitigung der Müdigkeit könnte das Bewegungslernen positiv beeinflusst werden.
Antidementiva zeigen eine erstaunlich hohe Verbesserung der Motorik. GABA-Agonisten hingegen dämpfen die zelluläre Gedächtnisbildung und das Bewegungslernen und sind in der Regenerationsphase von Nachteil. Wenn eine Spastik vorliegt, muss nicht immer an "Antispastika" gedacht werden, räumte Koppi ein, in der Regel führen sie nicht zu einer Verbesserung der Bewegungsausführung, da bei Patienten mit zerebraler Spastik, die bereits mobil sind, unter Umständen mit einer Verstärkung der Paresen zu rechnen ist. Zu den Substanzgruppen mit negativem Einfluss auf das Bewegungslernen gehören unter anderen Phenothiazine, Butyrophenone, GABA-Agonisten, Phenytoin und Barbiturate. Sie müssen gezielter eingesetzt werden, was immer eine Prioritätenentscheidung erfordert. Vorsicht ist auch bei alten Neuroleptika geboten, hier sind Alternativen zu suchen.
Die Pharmakotherapie mit positivem Einfluss umfasst Cholinergika, Dopamin, Katecholamine, Amphetamine, Amantadin und Trizyklische Antidepressiva.

Quelle: Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Neurorehabilitation vom 3. bis 4. Oktober 2003 in Hochzirl

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