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Neurologie 6. Juli 2005

Auch in der Neurologie gab's viele Fortschritte

Wo liegen die Vorteile in den für die Neurologie neu erschlossenen diagnostischen Verfahren?

AICHNER: Apparative diagnostische Verfahren wie Ultraschall, die MR-Technologie sowie nuklearmedizinische Untersuchungsverfahren erlauben millimetergenaue Strukturdiagnostik sowie umfassende Funktionsdiagnostik. Die Magnet-resonanz und die Molekularbiologie sind die produktivsten Techniken für das Studium neurobiologischer Systeme. 

Die Molekulargenetik ist einer der jüngsten Teilbereiche in der neurologischen Diagnostik...

AICHNER: Durch die Fortschritte in der Molekulargenetik konnten vor allem in den letzten Jahren die molekularen Grundlagen zahlreicher erblicher neurologischer Erkrankungen aufgeklärt werden. Die chromosomale Position vieler Gene, die in mutierter Form neurologische Erkrankungen verursachen, ist heute bekannt. In zunehmender Zahl konnten auch die DNA-Sequenzen dieser Gene und die krankheitsverursachenden Mutationen selbst identifiziert werden. 
Diese Kenntnisse erweitern bestehende diagnostische Möglichkeiten, erlauben die Untersuchung der Funktion des pathologisch veränderten Genproduktes und ermöglichen damit ein besseres Verständnis der molekularen Pathogenese vieler Erkrankungen.

Im therapeutischen Bereich wurden ebenso große Fortschritte gemacht. Wo sehen Sie hier die Schwerpunkte?

AICHNER: Für die Entwicklung moderner Therapien ist es Grundvoraussetzung, die entsprechende Infrastruktur zur Verfügung zu haben. Das Konzept der Stroke-Units hat die Akutneurologie und insbesondere die akute Schlaganfallversorgung revolutioniert. Damit in enger Beziehung stehen die Neurorehabilitationszentren, welche einen essentiellen Teil der therapeutischen Intervention darstellen.

Sind im pharmakologischen Bereich wesentliche Neuerungen zu verzeichnen?

AICHNER: Die Migränebehandlung zum Beispiel wurde durch die Entwicklung selektiver Serotonin 5-HAT-Agonisten auf neue Beine gestellt, sieben neue Triptane stehen demnächst zur Verfügung. In der Behandlung der Epilepsie wurden rasante Fortschritte gemacht: zahlreiche neue Antikonvulsiva sind zu den wenigen "alten" Standard-Antikonvulsiva hinzugekommen, der Vagus-Stimulator wurde in die Behandlung eingeführt und die Epilepsiechirurgie hat sich für ausgesuchte Formen als Therapie der Wahl entwickelt.

Besteht für Patienten mit Morbus Parkinson oder Multiple Sklerose auch ein erweitertes Therapiespektrum zur Verfügung?

AICHNER: Die Behandlungsmöglichkeiten der Parkinson-Erkrankung und anderer extrapyramidaler motorischer Bewegungsstörungen sind durch eine spezifischere pharmakologische Beeinflussung erweitert worden, die Tiefenhirnstimulation wie zum Beispiel die des Nucleus subthalamicus ist bereits zu einer Routinetherapie für bestimmte Parkinsonpatienten geworden. Die Forschung in der Multiplen Sklerose hat immunpathologische Subtypen definiert. Verschiedene immunmodulatorische Therapien wie die Interferone, Immunglobuline, Plasmapherese et cetera zählen heute zum therapeutischen Standardrepertoire.

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