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Neurologie 30. Juni 2005

Mit kräftigem Schwung gegen den Schwindel

Bis zu 70 Prozent der BPLS-Patienten profitieren von einfacher Kopfbewegung: Verrutschte Otolithen werden so aus dem Bogengang befördert.

Patienten mit benignem paroxysmalem Lagerungsschwindel (BPLS) stellen sich mit Drehschwindelattacken vor, die bis zu einer halben Minute anhalten, berichtet Prof. Dr. Horst Wiethölter, Neurologe am Klinikum Stuttgart. Die Attacken treten auf, wenn sich die Lage des Kopfes im Raum ändert – etwa im Liegen, wenn der Patient sich im Bett umdreht. Der Schwindel entsteht mit einer Latenzzeit von höchstens drei Sekunden und wird von einem 15 bis 30 Sekunden dauernden Nystagmus begleitet, oft auch von Übelkeit bis hin zum Erbrechen. Grund dieses Schwindels ist eine Canalolithiasis. Otholithen lösen sich von ihrem angestammten Platz, sammeln sich in einem Bogengang und bewegen sich bei Kopfbewegungen mit der Endo-lymphe. Folge ist eine Irritation im entsprechenden Bogengang bei Lageänderungen. Hilfreich ist das Sémontsche Befreiungsmanöver: Der Patient sitzt seitlich auf der Untersuchungsliege und dreht den Kopf zum gesunden Ohr. Diese Kopfposition behält er bei, während sein Oberkörper – Nase nach oben – auf die kranke Seite gelegt wird. Dem Patienten wird übel. Dann, sagt Wiethölter, „nehmen Sie ihn beim Kopf und schwingen ihn auf die andere Seite. Sie halten den Kopf aber in dieser Stellung fest: Die Nase zeigt also auf der anderen Seite nach unten.“ Der Patient sollte jedoch vorgewarnt werden – das Herumschwingen ist unangenehm. Für zwei von drei Patienten aber bedeutet das Sémont-Manöver trotzdem „den großen Wurf“, bei dem die verrutschten Otolithen aus ihrer falschen Position herausbefördert werden. Genügt dies nicht, erfolgt ein Lagerungstraining: Aus der aufrechten Sitzposition legt der Patient den Oberkörper zunächst mit rechtsgewendetem Kopf auf die linke Seite. Sobald der Schwindel vorbei ist, richtet er sich wieder auf und legt sich mit linksgewendetem Kopf auf die rechte Seite. Das führt er mehrmals hintereinander und mehrfach täglich durch. In der Regel, so Wiethölter, führt dieses Training innerhalb mehrerer Tage zum Erfolg.

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