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Neurologie 30. Juni 2005

Oberlidödeme nach Hirnvenenthrombose

Oberlidödeme sind typische Zeichen einer septischen Thrombose des Sinus cavernosus, können aber auch bei aseptischen Thrombosen auftreten, wie ein im Lancet publizierter Fallbericht zeigt.

Im vorliegenden Fall gingen die Lidödeme den üblicheren Symptomen einer Sinusvenenthrombose wie Kopfschmerzen, neurologischen Zeichen und Papillenödem um wenige Tage voraus. Eine 42-jährige Frau bemerkte nicht schmerzhafte Schwellungen im Bereich der Oberlider. Sie wurde von einem Augenarzt untersucht, der die Pupillen weit tropfte und die Augen gründlich untersuchte, jedoch nichts Ungewöhnliches vorfand. Man vermutete eine allergische Reaktion. Drei Tage später bekam die Frau Kopfschmerzen, suchte einen Orthopäden und einen Allgemeinarzt für alternative Heilverfahren auf. Beide Kollegen konnten keine spezifische Diagnose stellen. Kopfschmerzen waren für die übergewichtige Patienten (Bodymass-Index 32,2) ungewöhnlich, weshalb sie sich in einer neurologischen Klinik untersuchen ließ. Dort wurden links leicht gesteigerte Muskeleigenreflexe gefunden. In der Kontrastmittel-verstärkten Angio-Computertomographie zeigte sich beidseits eine Thrombose des Sinus sagittalis superior und des Sinus transversus.
Unter der Diagnose einer aseptischen Hirnvenenthrombose wurde die Frau mit Heparin im Perfusor behandelt. Die Lidödeme gingen bereits am folgenden Tag zurück. Eine zweite augenärztliche Untersuchung ergab ein beidseitiges Papillenödem. Die einschlägige Untersuchung auf eine Störung des Gerinnungssystems verlief negativ. Nach sechs Monaten oraler Antikoagulation waren die Sinusvenen zum Teil rekanalisiert.

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