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© Illian
 
Neurologie 18. November 2013

Verlust von viel Lebensqualität

Insult und transitorische ischämische Attacke verursachen häufig einschneidende Einbußen.

Zur den langfristigen Veränderungen der Lebensqualität nach einer transitorischen ischämischen Attacke oder einem Schlaganfall gibt es kaum populationsbezogene Daten. Englische Forscher haben versucht, diesem Mangel abzuhelfen.

Was ein Schlaganfall im Leben eines Menschen anzurichten vermag, lässt sich schon an den Instrumenten ablesen, mit denen die Lebensqualität Betroffener ermittelt werden soll. So gibt es den EQ-5D-Katalog, wo ein Wert von 1 „vollkommene Gesundheit“, bedeutet, 0 steht für Tod. Es existieren aber auch noch Werte unterhalb von 0, die bis –0,59 reichen.

Diesen EQ-5D („EuroQol-5 Dimensions“) haben Präventionsforscher und Gesundheitsökonomen der Universität Oxford nun verwendet, um die Lebensqualität von 440 Patienten nach einer transitorischen ischämischen Attacke (TIA) und von 748 Insultpatienten in den ersten fünf Jahren nach dem Ereignis zu untersuchen (Luengo-Fernandez R et al. Neurology 2013;81:1–8). Erhoben wurden Angaben der Patienten zu Angstzuständen/Depressionen, zur Mobilität, zu Schmerzen/Unwohlsein, zur Selbstfürsorge und den Alltagsaktivitäten nach einem Monat, sechs Monate, einem, zwei und fünf Jahren nach der Durchblutungsstörung.

Der EQ-5D-Wert betrug für TIA-Patienten über den gesamten Zeitraum hinweg 0,78. Insultpatienten hatten einen Monat nach dem Ereignis einen Score von 0,64, nach einem halben Jahr pendelte sich der Wert bei 0,70 ein. In einer Gruppe nach Alter und Begleiterkrankungen vergleichbarer Kontrollpersonen ohne zerebrale Ischämien lag der EQ-5D-Wert im Mittel bei 0,85.

Aus dem Produkt der mittleren Lebensqualität zu einem der Befragungszeitpunkte und der Wahrscheinlichkeit, dass ein Proband dann überhaupt noch am Leben war, errechneten die Forscher das qualitätskorrigierte Überleben. Gegenüber den möglichen fünf Jahren bei voller Gesundheit ergaben sich bei den TIA-Patienten Einbußen von 1,68 Jahren. Für Schlaganfallpatienten betrug das Minus an Qualitätsjahren im Schnitt sogar 2,79. 1,71 verlorene Jahre waren dabei der Mortalität, 1,08 der verminderten Lebensqualität zuzuschreiben.

Wie nicht anders zu erwarten, wirkte sich die Schwere des Insults auf die Zahl der qualitätskorrigierten Lebensjahre im untersuchten Zeitraum aus. Statt der möglichen fünf blieben Patienten nach leichteren Schlaganfällen noch 2,94, nach mittelschweren 1,65 und nach schweren Insulten nur 0,70 gute Jahre.

„Die Studie hat gezeigt, dass die Einbußen beim qualitätskorrigierten Überleben, auf fünf Jahre gesehen, nach Insult oder TIA erheblich sind“, schreiben die Wissenschaftler. Selbst nach einer TIA, definitionsgemäß eine reversible Störung, sinkt die Lebensqualität beachtlich. Dies lässt nach Auffassung der Forscher breiten Raum für Verbesserungen in der Akutbehandlung und Sekundärprävention zerebraler Ischämien. Denn neben der Schwere war es besonders die Wiederkehr der Ereignisse, die auf eine sinkende Lebensqualität schließen ließ.

springermedizin.de, Ärzte Woche 46/2013

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