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Neurologie 28. Oktober 2013

Partner leiden mit

Angehörige von Schmerzpatienten sollten in die Behandlungsprogramme mit einbezogen werden.

Partner von Menschen, die an chronischen Schmerzen leiden, haben nicht nur ein erhöhtes Risiko, selbst Schmerzen zu entwickeln. Sie tendieren auch dazu, Hilflosigkeit, Angst und Depression mit den ihnen nahestehenden Schmerzpatienten zu teilen. Das zeigen aktuelle Studien, die beim Kongress der Europäischen Schmerzföderation EFIC in Florenz präsentiert wurden.

Frauen, deren Ehepartner wegen Schmerzen des Bewegungsapparates in Behandlung ist, neigen dazu, solche Schmerzen ebenfalls zu entwickeln. Das zeigt eine Studie der Keele University, Stoke-on-Trent, Großbritannien (Abstract Campbell et al, The influence of partners on musculoskeletal consultations in primary care patients). „Denkbare Erklärungen dafür sind, dass Ehepaare ähnlichen Umweltfaktoren ausgesetzt sind und möglicherweise ähnliche Konzepte von Krankheit entwickeln“, sagte Studienautor Dr. Paul Campbell. „Soziale Faktoren und die Rolle von Partnern sollten in der Betreuung von Menschen, die an Schmerzen des Bewegungsapparates leiden, berücksichtigt werden.“

Das Forscherteam hatte die Daten von insgesamt 13.057 Ehepaaren analysiert, 31 Prozent der Personen (8.292 Patienten) litten an Schmerzen des Bewegungsapparates. Die Wahrscheinlichkeit, dass Partnerinnen wegen ähnlicher Beschwerden wie ihr Ehemann ebenfalls ärztliche Hilfe suchten, war bei Schulterbeschwerden am höchsten.

Hilflosigkeit, Angst und Depression werden übernommen

Ein niederländisch-iranisches Forscherteam berichtete, dass zwischen chronischen Schmerzpatienten und ihren Angehörigen ein deutliches Maß an Übereinstimmung besteht, was die Einschätzung der Stärke von bestehenden, vorangegangenen und zukünftigen Schmerzen betrifft (Abstract Mohammadi et al, The effects of living with chronic pain on patients and their main family). Sie stellten darüber hinaus einen signifikanten Zusammenhang zwischen Hilflosigkeit, Angst und Depression bei Schmerzpatienten und denselben Symptomen bei ihren Angehörigen fest. „Es scheint ein interaktives System zu bestehen, in dem die Wahrnehmungen und Emotionen zwischen Patienten und pflegenden Angehörigen einander stark beeinflussen“, so Dr. Somayyeh Mohammadi von der Universitätsklinik Groningen, NL. „Das spricht dafür, Angehörige stark in Behandlungsprogramme einzubeziehen.”

Quelle: 8. Kongress der Europäischen Schmerzföderation EFIC, 9. – 12. Oktober 2013, Florenz

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