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Neurologie 30. September 2013

Demenz vorbeugen

Expertenpapier zu diätetischem Lebensmittel in der Behandlung der frühen Alzheimer-Krankheit.

In Österreich haben 110.000 Menschen eine Demenz-Erkrankung, weitere 500.000 zeigen Symptome einer leichten kognitiven Beeinträchtigung. Dank frühzeitiger Diagnosemöglichkeiten steigt der Stellenwert präventiver Maßnahmen wie Bewegung, Vermeidung von Übergewicht und gesunde Ernährung. Zunehmend gibt es wichtige Erkenntnisse über den Zusammenhang zwischen der Unterversorgung mit bestimmten Nährstoffen und der Alzheimer-Demenz.

Aus der Sicht der Geriatrie ist es eine besondere Herausforderung, zur Steigerung der „guten“ Lebensjahre beizutragen, führt Prim. Dr. Katharina Pils, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Geriatrie und Gerontologie, aus. Für die frühzeitige klinische Diagnose der AK haben kürzlich internationale Expertengruppen neue Diagnosekriterien vorgeschlagen. Pils: „Eine frühzeitige und zuverlässige Diagnose der AK ist damit möglich. Sie ist insofern von besonderer Bedeutung, als man davon ausgeht, dass erste pathophysiologische Veränderungen bereits bis zu 30 Jahre vor Beginn eines Demenzsyndroms nachweisbar sind. Präventive Maßnahmen sind also möglich und sinnvoll.“

Präventive Maßnahmen sind möglich und sinnvoll

Als vorbeugende Maßnahme ist es besonders wichtig, geistig rege zu bleiben und Eigenverantwortung zu übernehmen. Vorbeugen kann man auch durch eine gesunde Lebensweise: ausreichend Bewegung, Vermeidung von Übergewicht und gesunde Ernährung, so Pils.

So unterstützen wissenschaftliche Erkenntnisse die Annahme, dass eine Unterversorgung mit bestimmten Nährstoffen das Risiko für eine Alzheimer-Demenz maßgeblich erhöht. Dazu Dr. Andreas Winkler, Primarius der Abteilung für Neurologische Rehabilitation, Klinik Pirawarth: „Es gibt fundierte Belege dafür, dass Patienten mit AK spezielle Ernährungsbedürfnisse haben und eine Substitution spezifischer Nährstoffe dem Verlust von Synapsen und ihrer Funktion entgegenwirken könnte.“

Einen vielversprechenden Ansatz bietet der Einsatz von Souvenaid, einem auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basierenden innovativen diätetischen Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke (bilanzierte Diät) zur diätetischen Behandlung der AK im Frühstadium, wie auch ein von 12 österreichischen Expertinnen und Experten erarbeitetes Papier unterstreicht. Winkler: „Für Souvenaid® liegen mittlerweile zwei positive, doppelblind randomisierte Studien vor, die internationalen Qualitätsstandards entsprechen und dessen Einsatz an Patienten mit AK im Frühstadium untersuchten. In beiden Studien konnte eine Verbesserung der Gedächtnisleistung gezeigt werden. Der Einsatz sollte jedoch unter ärztlicher Aufsicht erfolgen.“

Therapeutische Versorgungslücke im frühen Krankheitsstadium

Die therapeutische Versorgungslücke im Stadium der milden kognitiven Beeinträchtigung erfordert laut Winkler dringend alternative Ansätze in der Prävention und Therapie der AK. Denn die in Österreich verfügbaren, spezifisch wirksamen Antidementiva werden als Mittel der ersten Wahl (Acetylcholinesterasehemmer) in der Behandlung leichter und mittelschwerer Alzheimerdemenz oder (Memantin) bei mittelschwerer Alzheimerdemenz empfohlen. Diese Substanzen können also derzeit Patienten mit MCI zur Verhinderung des Fortschreitens („Konversion“) der MCI zur Alzheimerdemenz nicht empfohlen werden, betonte Winkler.

Alzheimer Austria: Nationaler Demenzplan für Österreich

„Alzheimer Austria“ sieht sich als Interessenvertretung der Betroffenen und deren Familien. „Wir bieten Information und Beratung und begleiten die Angehörigen und die erkrankten Menschen auf dem langen Weg der Krankheit. Wir setzen uns für ihre Anliegen ein und wollen ihnen Gehör verschaffen“, so Antonia Croy, Präsidentin von „Alzheimer Austria. „Wir sind zum Beispiel bemüht, die Politik davon zu überzeugen, einen Nationalen Demenzplan zu erstellen. Dieser soll nicht nur die zukünftige Finanzierung, sondern auch die Schaffung von Standards in Behandlung und Betreuung beinhalten. Bei den sozialen Unterstützungsangeboten gibt es derzeit noch große regionale Unterschiede.“

Spezieller Bedürfnisse pflegender Angehöriger

Pflegende Angehörige erhalten oft wenig Anerkennung. Im Rahmen der Gruppen versucht „Alzheimer Austria“, ihr Selbstbewusstsein zu stärken, ihnen den Wert ihrer Leistung bewusst zu machen. Familien, die das wünschen, sollten durch ein enges Netz von Entlastungsangeboten in ihren individuellen Möglichkeiten unterstützt werden. Croy: „Die Ausbildung der auf diesem Gebiet tätigen Berufsgruppen, die Fortbildungsangebote für betreuende und pflegende Angehörige, sowie die derzeitigen sozialen Maßnahmen und Betreuungsangebote sollen nach bereits bewährtem internationalem Vorbild optimiert werden. So soll weitgehend auf die Wünsche und Bedürfnisse der Menschen mit Demenz geachtet werden.“

In den letzten Jahren gab es bereits zahlreiche Initiativen und Projekte. „Das Pflegegeld reicht leider nicht aus, um von den zahlreichen Angeboten profitieren zu können, stellt aber eine Entlastung dar“, so Croy. „Glücklicherweise ist das Pflegegeld in Österreich nicht an Sachleistungen gebunden, sondern steht den Betroffenen für die individuelle Wahl der Unterstützungsmaßnahmen zur Verfügung. Wir hoffen, dass dies auch so bleibt.“

Quelle: Pressegespräch anlässlich des Welt-Alzheimer-Tages 2013, 18. September 2013, Wien

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