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© Sebastian Schreiter / Springer Verlag GmbH
Spezielle Radiotracer weisen die Degeneration von Nervenfortsätzen nach.
 
Neurologie 1. Juli 2013

Frühdiagnose

Neurologen setzen bei Parkinson immer mehr auf Herzszintigrafie.

Die Bildgebung wird bei der Früh- und Differenzialdiagnose von Krankheiten aus dem Parkinsonspektrum immer wichtiger: Hinweise liefert dabei nicht nur das Gehirn, sondern auch die sympathische Denervierung des Herzens.

Alzheimerforscher haben inzwischen eine Reihe von Biomarkern, mit denen sie den Krankheitsprozess relativ gut und früh nachweisen können, sei es per Amyloid-PET oder über das Verhältnis von Amyloidproteinen im Liquor. Der eindeutige oder frühe Nachweis einer Parkinsonerkrankung gestaltet sich dagegen etwas schwieriger. Ein Alpha-Synuclein-PET ist bisher nicht etabliert, andere Verfahren wie transkranielle Sonografie sind nicht spezifisch genug und die Dopamintransporter-Bildgebung per SPECT eignet sich nur bedingt zur Differenzial- und Frühdiagnose. So lässt sich damit zwar gut ein essenzieller Tremor von einem idiopathischen Parkinson abgrenzen, auch andere Formen von Bewegungsstörungen, bei denen die Substantia nigra nicht betroffen ist, lassen sich damit ausschließen, aber nicht eine Multisystematrophie. Dies ist jedoch mit einem speziellen Verfahren möglich, das in den vergangenen Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen hat: der kardialen SPECT-Szintigrafie mit 123I- Metaiodobenzylguanidin (MIBG).

Das Herz zeigt, was im Gehirn passiert

Der radioaktive Tracer wird bevorzugt von sympathischen Nervenendigungen aufgenommen. Damit lässt sich die sympathische Denervierung des Herzens nachweisen, die für autonome Dysfunktionen wie orthostatische Hypotonie und Blutdruckschwankungen bedeutsam ist. In Studien wurde damit auch schon eine kardiale Denervierung nachgewiesen, bevor es bei den Patienten zu autonomen Symptomen kam. Mit dem Verfahren lässt sich sowohl die Dichte der präsynaptischen sympathischen Nervenendigungen nachweisen als auch der präsynaptische funktionelle Tonus kardial-sympathischer Nerven, berichtete Prof. Dr. Eduardo Tolosa beim Kongress der European Neurological Society in Barcelona.

Wie der Neurologe von der Universität in Barcelona erläuterte, ließ sich mit der Szintigrafie in einer Studie eine Parkinsonerkrankung mit einer Sensitivität von knapp 90 Prozent und einer Spezifität von 83 Prozent von anderen neurodegenerativen Bewegungsstörungen abgrenzen, also etwa von einer Multisystematrophie, einer progressiven supranukleären Blickparese (PSP) oder einer kortikobasalen Degeneration. Die Szintigrafie könne daher ein nützliches Instrument zur Früh- und Differenzialdiagnose sein, sagte Tolosa. Inzwischen deuten einige Studien darauf, dass das Verfahren relativ spezifisch für Lewy-Body-Erkrankungen ist. Es lässt sich damit also auch eine Lewy-Body-Demenz gut von Alzheimer und anderen Demenzformen abgrenzen.

Strukturelle MRT und Diffusionsbildgebung diagnostisch relevant

Allerdings, so Tolosa, sind nuklearmedizinische Verfahren wie die 123I-MIBG-Szintigraphie und die Dopamintransporter-Bildgebung relativ aufwendig und nicht gerade günstig. Der Neurologe erinnerte daran, dass Ärzte bei der Parkinsondiagnose auch die weniger aufwendigen Bildgebungsverfahren nicht aus dem Blick verlieren sollten. So kann auch schon eine strukturelle MRT viele andere Ursachen bei der Parkinsondiagnostik ausschließen, und auch die Diffusionsbildgebung (DTI) eigne sich, um atypische Parkinsonerkrankungen von idiopathischem Parkinson abzugrenzen.

Solange es aber keinen Test gibt, der Parkinson eindeutig bei noch lebenden Patienten nachweisen kann, und auch die Bildgebung nur Anhaltspunkte liefert, hänge die Diagnose im Wesentlichen von der Expertise der Neurologen ab. „Letztlich bleibt die klinische Untersuchung des Patienten das wichtigste Element für eine akkurate Parkinsondiagnose“, sagte Tolosa.

 

Quelle: Kongress der European Neurological Society (ENS) Symposium „Parkinson and Parkinsonism”, 10. Juni 2013, Barcelona

springermedizin.de/mut, Ärzte Woche 27/2013

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