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Spiele als visuelles Gehirntraining.
 
Neurologie 27. Juni 2013

Videospiele steigern die Wahrnehmung

Gamer nehmen mehrere Reize war und behalten diese auch länger im Gedächtnis.

Videospieler trainieren nicht nur ihre Hände, sondern auch ihr Gehirn und nehmen dadurch mehrere visuelle Reize wahr. Dies besagt eine Studie der Duke University. Laut den Forschern sehen Spieler die Welt mit anderen Augen und entnehmen aus einer visuellen Szene mehrere Informationen.

Im Rahmen einer Untersuchung wurden 125 Teilnehmer rekrutiert, die entweder keine oder intensive Videospieler waren. Jeder dieser Probanden wurde einem visuellen Memory-Test unterzogen, in dem acht Buchstaben in einem kreisförmigen Gefüge für eine zehntel Sekunde gezeigt wurden. Nach einer Zeit zwischen 13 Millisekunden und 2,5 Sekunden zeigte ein Pfeil auf eine Stelle innerhalb des Kreises. Die Probanden mussten dabei angeben, welcher Buchstabe an diesem Platz gesehen wurde. Intensive Videospieler hatten die Nicht-Spieler nach jedem Intervall leistungsmäßig übertroffen. Drei mögliche Gründe können für die erweiterte visuelle Fähigkeit von Spielern verantwortlich sein: Sie sehen besser, sie behalten visuelle Reize länger im Gedächtnis oder sie haben ihre Entscheidungsbildung mit der Zeit optimiert.

Gamer schauen gezielter

„Prinzipiell hat alles, was wir tun, Einfluss auf unser Gehirn. Ein Musiker hat beispielsweise auch eine höhere Kompetenz verschiedene Musikinstrumente zu bedienen als jemand, der nicht Musik spielt“, schildert der Wiener Psychologe Mag. phil. Dominik M. Rosenauer. Videospieler, die visuelle Inputs erlernen müssen, können dem Fachmann zufolge wichtige von unwichtigen Inputs besser unterscheiden und sich diese auch besser merken. „Sie haben die Fähigkeit, gezielter zu schauen“, so Rosenauer. Spieler trainieren, kleinen Hindernissen auszuweichen und versteckte Feinde zu sehen, wobei Nicht-Spieler diese Kompetenz nur geringfügig aufweisen.

Videospiele können daher sozusagen als einseitiges, visuelles Gehirntraining fungieren. „Diese Ergebnisse würden beispielsweise auch auf eine Studie zur Reaktionszeit zutreffen“, sagt der Spezialist. Denn auch Piloten lernen mit Ereignissen mithilfe des Trainings im Flugsimulator umzugehen und erkennen ein rot-leuchtendes Licht im Cockpit schneller. „Neurons that fire together, wire together“, ergänzt Rosenauer. – Neuronen, die häufiger zusammen aktiv sind, reagieren auch am besten aufeinander.

Der Psychologe betont, dass ein Bild im Kopf eines Menschen nur zu 20 Prozent über seine Augen wahrgenommen wird – alles andere wird vom Gehirn konstruiert, wie beispielsweise die räumliche Tiefe oder die weiche oder harte Textur.

 

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