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Neurologie 4. Juli 2013

Kampf dem Gambling

Grippe- und Parkinson-Medikament wirkt auch gegen Spielsucht.

Hoffnung auf eine künftige Therapie gegen Spielsucht weckten italienische Wissenschaftler auf dem ENS-Kongress – Amantadin reduziert wichtige Symptome dieses Leidens.

Die medizinische Behandlung von Spielsüchtigen gestaltet sich bisher als schwierig, berichtete Studienautor Dr. Giovanni Martinotti. Es gebe zwar vereinzelte Medikamente, doch hat sich bisher keines davon als Standardtherapie bewährt. „Mit Amantadin befinden wir uns erst in der Testphase, es sieht aber so aus, als ob wir erstmals ein Medikament gefunden hätten“, so Martinotti.

Amantadin ist ein Medikament, das zur Therapie und Vorbeugung des Influenza-A-Virus, seit Kurzem jedoch auch in der Parkinson-Therapie eingesetzt wird. Es greift unter anderem in den Haushalt von Dopamin im Gehirn ein, dessen Ausschüttung es erhöht, während es die Wiederaufnahme hemmt. Darüber hinaus entfaltet es seine Wirkung in der Gehirnregion „Nucleus accumbens“, die als Schalthebel für das „Belohnungssystem“ in der Entstehung von Sucht eine wichtige Rolle spielt. „Wie wir zeigen konnten, wirkt Amantadin damit auch auf die Impulskontrolle“, erklärte Martinotti.

Als Nachweis führten die Wissenschaftler eine Fallserie durch. Wie sich zeigte, reduzierte Amantadin bei den sechs getesteten Spielsüchtigen den Drang zum Spiel, die Gedanken daran, die dafür aufgewendete Zeit und Emotionen und auch die damit verbundenen persönlichen Probleme um jeweils 43 bis 64 Prozent. Gemessen wurde dies durch die „Gambling Symptom Assessment Scale“ (G-SAS), mit der sich Spielsüchtige selbst einschätzen können. „Was wir nun brauchen, sind Studien mit mehr Teilnehmern“, so die Autoren.

Quellen: 23. Kongress der Europäischen Neurologengesellschaft (ENS), Abstract 121, 8. bis 11. Juni 2013, Barcelona

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