zur Navigation zum Inhalt
© Barbara
Gewalt und Missbrauch hinterlassen Spuren in der Hirnrinde.
 
Neurologie 16. Juni 2013

Gezeichnet fürs Leben

Frühkindlicher Missbrauch manifestiert sich in der Hirnstruktur.

Opfer von Kindesmisshandlung leiden oft später unter psychischen Erkrankungen. Eine häufige Folge von sexuellem Missbrauch in der Kindheit sind sexuelle Funktionsstörungen. Eine neuronale Basis dieser Assoziationen wurde jetzt entdeckt.

Bei 51 Frauen, die in ihrer Kindheit verschiedenen Formen der Misshandlung ausgesetzt waren, wurden MRT-Untersuchungen durchgeführt. Unter anderem wurde die Dicke der Großhirnrinde gemessen. Die Ergebnisse zeigten eine spezifische Korrelation zwischen verschiedenen Formen der Misshandlung und Veränderungen in genau denjenigen Regionen des Kortex, die in Wahrnehmung und Verarbeitung der speziellen Misshandlungsform involviert sind. So war beispielsweise der somatosensorische Kortex in dem Bereich, in dem die weiblichen Genitalien repräsentiert werden, signifikant dünner bei Frauen, die in ihrer Kindheit sexuell missbraucht wurden. Opfer emotionaler Misshandlung hingegen zeigten eine spezifische Reduktion der Hirnrinde in Bereichen, denen eine Funktion bei der Etablierung des Selbstbewusstseins, der Selbsterkennung und der emotionalen Regulation zugeschrieben wird.     

Die Autoren spekulieren, dass die regionale Verdünnung der Hirnrinde eventuell Folge der Aktivität inhibitorischer Schaltkreise während der frühen Entwicklung ist. Dies könnte ein unmittelbarer Schutzmechanismus sein, der das Kind von der Erfahrung „abschirmt“, aber später im Leben gesundheitliche Folgen hat. Die Ergebnisse erweitern die allgemeine Literatur über neuronale Plastizität und zeigen, dass kortikale Repräsentationsfelder kleiner werden können, wenn sensorische Erfahrungen nachteilig oder nicht entwicklungsadäquat sind.

Heim CM et al.: Am J Psychiatry 2013; 170 (6): 616–23

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben