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Neurologie 27. Mai 2013

Erfolg mit Gentherapie bei Parkinson

Eine Gentherapie mit einem Nervenwachstumsfaktor kann offenbar Parkinsonbeschwerden etwas lindern. Darauf deuten Daten einer kleinen Phase-I-Studie.

M. Parkinson lässt sich bisher nur symptomatisch behandeln, eine dopaminerge Therapie kann die Neurodegeneration allenfalls etwas bremsen. Forscher suchen daher nach Ansätzen für eine restaurative Therapie. Zugute kommt ihnen dabei, dass die motorischen Defizite auf dem Zelluntergang in einem kleinen Gehirnbereich beruhen – der Pars compacta der Substantia nigra.

Neurotrophe Faktoren

Ein Therapieansatz sind neurotrophen Faktoren. Sie sollen das Nervenzellwachstum stimulieren, Reparaturgene aktivieren und so das Gehirn zum Ersatz der abgestorbenen Nervenzellen anregen oder zumindest den weiteren Tod von Neuronen verhindern. Das Problem ist aber, diese Faktoren in der richtigen Dosierung an den richtigen Ort zu bekommen. So hatten US-Forscher bereits vor mehr als sechs Jahren einen Adenovirusvektor mit dem Gen für den Wachstumsfaktor Neurturin ins Putamen injiziert, in der Hoffnung, dass von dort aus der Faktor über Nervenfasern in die Substantia nigra transportiert wird – eine direkte Injektion erschien ihnen zu schwierig und zu gefährlich. Die Therapie führte aber nur zu einem gewissen Erfolg, post-mortem-Analysen ergaben auch später, dass der axonale Transport des Faktors in die Substantia nigra doch nicht so gut funktioniert hatte – offenbar waren die Nervenverbindungen schon zu sehr geschädigt, vermutet Dr. Raymond Bartus vom Unternehmen Ceregene in San Diego.

Genvektor direkt injiziert

Nun haben die Forscher um Bartus einen zweiten Versuch gestartet, dieses Mal tatsächlich mit einer bilateralen Injektion der Genfähren direkt in die Pars compacta, und zwar zusätzlich zur Injektion ins Putamen. Da sie Nebenwirkungen befürchteten, wählten sie zunächst nur sechs Patienten mit bereits deutlich fortgeschrittenem M. Parkinson. Zwei Jahre später stellten sie jedoch keine negativen klinischen Veränderungen fest. Es traten lediglich die für stereotaktische Eingriffe üblichen Nebenwirkungen wie Schmerzen an der Schädelöffnungsstelle oder Kopfschmerzen nach der Operation auf. Verhaltensänderungen, Psychosen oder einen Gewichtsverlust, wie er aus präklinischen Studien zu befürchten war, wurden nicht beobachtet.

Hingegen kam es zur erhofften Reduktion der Parkinsonbeschwerden. Gemessen mit dem motorischen Teil der Parkinsonskala UPDRS ging der Wert von im Schnitt 38,2 Punkten zu Beginn nach einem Jahr auf 33,2 und nach zwei Jahren auf 32,7 zurück. Die täglichen Off-Zeiten reduzierten sich innerhalb von zwei Jahren von 5,4 auf 3,1 Stunden, was in etwa dem Effekt einer dopaminergen Therapie entspricht.

Mehr Hinweise z. B. auf die Wirkungsdauer könnte die bereits laufende Phase-II-Studie mit 51 Patienten liefern.

springermedizin.de, Ärzte Woche 22/2013

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