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Neurologie 16. Mai 2013

Ein neues Vitamin für die Nerven

Potenzieller Ansatz für die Therapie von Schäden motorischer Nervenzellen.

Das Molekül 7,8-Dihydroxyflavon, auch Vitamin P genannt, sichert motorischen Nervenzellen in Kultur das Überleben. Das Signal dafür sendet es auf anderem Weg als der Brain Derived Neurotrophic Factor (BDNF), der zuvor als Kandidat für die Therapie von Verletzungen der Motoneurone galt.

Wie man Nervenzellen, die Bewegungen steuern, vorm Absterben bewahrt, erforschen Biologen der Ruhr-Universität Bochum. „Der Brain Derived Neurotrophic Factor hat im Versuch mit Menschen nur eingeschränkt gewirkt, teilweise sogar negative Folgen gehabt“, sagt Prof. Dr. Stefan Wiese. „Daher suchen wir nach alternativen Möglichkeiten, auch um neue Ansatzpunkte für die Therapie von neurodegenerativen Krankheiten wie Amyotropher Lateralsklerose zu finden.“

Gleiche Wirkung, unterschiedliche Wirkweise

In vorangegangenen Studien hatten Forscher die Hypothese aufgestellt, Vitamin P sei ein Analogon zu BDNF, wirke also auf die gleiche Art und Weise. Diese Theorie widerlegte das Team um Dr. Teresa Tsai und Prof. Dr. Stefan Wiese aus der AG Molekulare Zellbiologie der Ruhr-Universität Bochum.

Beide Substanzen haben zwar zur Folge, dass isolierte motorische Nervenzellen der Maus in Kultur überleben und neue Fortsätze bilden. Doch was genau die Moleküle auf Proteinebene in der Zelle auslösen, ist verschieden. BDNF schaltet zwei Signalwege an, die sogenannten MAP-Kinase- und PI3K/AKT-Signalwege. Vitamin P hingegen bedient sich nur des letzteren.

Die Dosis ist entscheidend

Vitamin P entfaltete seine positiven Effekte auf die motorischen Nervenzellen jedoch nur in einem sehr kleinen Konzentrationsbereich. „Diese Ergebnisse zeigen, wie wichtig eine genaue Bestimmung von Dosis und Wirkung ist“, sagt Wiese. Eine Überdosis Vitamin P verminderte den Überlebenseffekt; ab einer gewissen Menge traten gar keine positiven Wirkungen mehr auf. Die Forscher hoffen, dass Vitamin P weniger negative Nebenwirkungen als BDNF haben könnte. „Es ist einfacher anwendbar, da Vitamin P im Gegensatz zu BDNF die Blut-Hirn-Schranke passieren kann und deshalb nicht wie BDNF über Pumpen in die Hirnflüssigkeit eingebracht werden muss“, so Wiese.

Originalpublikation: Tsai T et al.: Molecular and Cellular Neuroscience 2013; 56: 18–28

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